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Montag, 17. November 2025

Intuitive Software

Stabssoftware: Intuitiv und ohne regelmäßige Nutzung/Schulung bedienbar

So habe ich es neulich mal wieder in einer Ausschreibung gelesen. Und wie jedes Mal muss ich schmunzeln, dass das ohne weitere Eingrenzung als Bewertungskriterium in eine Ausschreibung einfließt.

Schauen wir uns also einmal an, was „Intuition“ eigentlich bedeutet. Das „etymologische Wörterbuch des Deutschen“ definiert wie folgt: „Eingebung, ahnendes Erfassen, Erkenntnis ohne wissenschaftliche Einsicht“ (1).

Das klingt nach Bauchgefühl, nicht nach einer klar prüfbaren Produkteigenschaft.

Die Wissenschaft ist da weiter: Intuition lässt sich definieren und messen – aber immer nur bezogen auf eine konkrete Zielgruppe und ihr Vorwissen. Vereinfacht gesagt: Intuitiv ist eine Nutzung dann, wenn Menschen mit ihrem vorhandenen Wissen Aufgaben erfolgreich lösen können, ohne lange nachzudenken und ohne große kognitive Anstrengung. Bis zu einem gewissen Grad ist das messbar, siehe Mohs und Hurtienne (2006) (2).

Aber genau hier beginnen die Probleme in Ausschreibungen:

Wenn keine Kriterien definiert sind, ist jede Software "intuitiv" bedienbar. Welche Zielgruppe mit welchem Vorwissen ist eigentlich gemeint?

▶️ IT-affine Stabsmitglieder mit vielen Jahren BOS-Erfahrung, die tatsächlich ohne großartige Einweisung eine Stabssoftware intuitiv erfassen können?
▶️ Haupt- und ehrenamtliche Führungskräfte, die ein- bis zweimal im Jahr im Stab sitzen und beruflich sowie privat sonst keine Berührungspunkte zu IT haben?
▶️ Verwaltungsmitarbeitende ohne größere Stabserfahrung?

Mal ernsthaft: Erwartet man, dass jede Person – unabhängig von IT-Vorkenntnissen und Fachwissen im Bevölkerungsschutz – komplexe Stabssoftware ohne Einweisung sicher bedienen kann? Klar ist sicher: Man benötigt eine gewisse IT-Affinität und ein Verständnis von Lageführung, Führungsorganisation und Prozessen.

Das beliebte Argument „Im Bevölkerungsschutz kann ja jede*r mit Papier und Stift arbeiten, Papier und Stift sind intuitiv bedienbar“ greift genauso zu kurz. Nehmen wir den 4-Farben-Vordruck: Wer das Formular nie gelernt oder geübt hat, wird damit im Einsatz unter Stress kaum souverän umgehen. Genauso wenig, wie früher jemand ohne Einweisung „mal eben“ mit Mantelbogen, Anlage N und Anlage Kind seine Lohnsteuererklärung ausfüllen konnte - obwohl jede*r im Alltag mit Papier und Stift umgeht.

Die Pointe: Intuition ist nichts Absolutes. Ohne klare Definition von Zielgruppe, Vorwissen und Aufgaben bleibt „intuitiv bedienbar“ im Lastenheft Buzzwording und ein leeres Versprechen – ein Kriterium, das so abzufragen absolut keinen Mehrwert bietet und im Nachgang unter Umständen zu Diskussionen führt.

Quellen:
(1) https://www.dwds.de/wb/etymwb/Intuition
(2) https://www.researchgate.net/publication/280015034_Intuitivitat_definierbar_beeinflussbar_uberprufbar

Dienstag, 14. Oktober 2025

Lagefeststellung und Lagedarstellung

Lagefeststellung und Lagedarstellung - reingeschmökert

Das Buch von Bernhard Horst und Martina Rehbein (3. Auflage, ecomed SICHERHEIT) ist ein umfassendes Werk für Stabsarbeit und Einsatzführung in Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben.

Die Autoren spannen einen weiten Bogen: Beginnend mit theoretischen Basics wie räumlichen Voraussetzungen eines Stabes, Grundlagen der Wahrnehmung über Themen wie Farbenlehre, Gestaltgesetze (z.B. Gesetz der Nähe), Symbolik bis hin zur Informationsgewinnung, Bewertung/Auswertung von Informationen, Aufbau/Führen der Lagekarte sowie Lagedarstellung auf verschiedenen Ebenen.

Auch das Thema „Software für die Stabsarbeit“ wird behandelt. Die Autoren definieren zunächst, was sie unter Stabssoftware verstehen - nämlich jede Software, die in einem Stab eingesetzt werden kann und führen entsprechende Einsatzbereiche auf:

🗺️ geografische Informationssysteme für die Lagekarte,
🔁 elektronische Nachrichtenverläufe,
⌨️ Textverarbeitung für die Einsatzdokumentation,
💻 Tabellenkalkulation zur Kräfteverwaltung,
🧑‍🚒 Ressourcenmanagementsysteme zur Personalverfügbarkeit,
💽 Datenverwaltung über Datenbanken.

Sie stellen fest, dass die meisten Aufgaben eines Stabes auch mit gängigen Office-Anwendungen – also Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Mailclient, Präsentationssoftware und Webbrowser – durchgeführt werden können.

Das ist eine Stelle im Buch, die mich (wen wundert’s 😉 ) zum Widerspruch anregt. Hier fehlt ein wichtiger Hinweis: eine gerichtsfeste und revisionssichere Dokumentation ist mit Standard-Office-Produkten faktisch nicht bis nur sehr schwer möglich. Führung in komplexen Lagen erfordert heute nicht nur Übersicht, sondern auch digitale Nachvollziehbarkeit, Datenintegrität und Zugriffssicherheit – Anforderungen, die spezialisierte Systeme erfüllen.

Horst und Rehbein stellen im Verlauf des Kapitels fest, dass sich verschiedene Stabsführungssysteme etabliert haben, die auf Geoinformationssystemen basieren, an Einsatzleitsysteme (ELS) angeschlossen sind und als Nebenfunktionen Schadenskonten führen, Führungsorganisationen abbilden, Einsatztagebücher integrieren und Ressourcenmanagement ermöglichen.

Aber auch das greift in meinen Augen ein wenig zu kurz, denn eine zeitgemäße Stabssoftware ist mehr als die Summe einzelner Anwendungen. Sie fungiert unter anderem als zentraler Datenhub, an dem Informationen aus ELS, Einsatzabschnitten, aller beteiligten Akteuren, aus Drittsystemen und weiteren Quellen zusammengeführt, konsolidiert und zielgruppengerecht visualisiert werden – auf Makro- und Mikroebene.

Fazit: Dennoch natürlich ein lesenswertes Praxishandbuch, das inhaltlich wie didaktisch überzeugt und die Breite der Thematik sehr gut abbildet. Ein empfehlenswertes Standardwerk für jeden, der sich mit Führung in den BOS beschäftigt.

Und natürlich auf der hinteren Einbandseite mit einem sehr wertvollen Hinweis versehen, wie optimale Lagefeststellung und Lagedarstellung funktionieren! 😎

Montag, 2. Juni 2025

Beruf und Ehrenamt

Aus dem Homeoffice zur Führungsgruppe alarmiert zu werden, um nach einer Softwarepräsentation mit dem passenden Geobyte-Shirt im ELW den Einsatz mit metropolyBOS zu begleiten: Unbezahlbar! 😉


Ich mag diese enge Verzahnung zwischen Ehrenamt und Beruf. Wenn Software-Entwicklung auf Einsatzpraxis trifft und man das eigene Produkt dort einsetzen darf, wo es wirklich um etwas geht – dann weiß man, warum man in und für genau diese Branche arbeitet. 💻🚒

Das motiviert mich – Tag für Tag, ob im Büro, auf Messen und Veranstaltungen, im Einsatzfahrzeug, in der Führungsgruppe oder im Stab.

Dienstag, 11. Februar 2025

Krisenkommunikation

Warum Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) einen redundanten digitalen Kommunikationskanal jenseits von Internet und Mobilfunk brauchen


Unsere Welt hängt zunehmend von digitalen Infrastrukturen ab, auch in der Gefahrenabwehr. Die Hardliner, die nach wie vor den Vierfachvordruck, Flipchart und Pen&Paper für die Führungsmittel schlechthin halten, werden im Laufe der Zeit immer weniger. Vielfach wird im Bereich der Führungsprozesse außerhalb der Leitstellen in den verschiedenen Führungsstufen, angefangen im Einsatzleitwagen bis hin zu Stäben auf Kreis-, Bezirks-, Landes- und Bundesebene auf Digitalisierung gesetzt.

Doch was passiert, wenn das Internet ausfällt oder Mobilfunknetze in Krisensituationen überlastet sind? Seit langem präge ich den Ausspruch: 

Es ist heute keine Frage der technischen Möglichkeiten, ein resilientes, ausfallsicheres System zu betreiben - es ist nur noch eine Frage des Wollens in die Investition.

Herausforderungen in Krisensituationen


Naturkatastrophen, Cyberangriffe oder große Schadenslagen können bestehende Kommunikationsnetze schnell an ihre Grenzen bringen. Gerade in Ausnahmesituationen zeigt sich, dass:

👉Mobilfunknetze überlastet oder gestört sind,
👉Internetverbindungen unterbrochen werden können,
👉lokale Infrastrukturen zerstört werden.

In solchen Fällen brauchen BOS eine unabhängige, sichere und resiliente Kommunikationslösung, um ihre Einsatzfähigkeit aufrechtzuerhalten.

Satellitenkommunikation als strategische Lösung


Eine bewährte Möglichkeit zur Gewährleistung von Kommunikation jenseits konventioneller Netze ist die Satellitenkommunikation. Sie bietet:

🛰️ Unabhängigkeit von terrestrischer Infrastruktur,
🛰️ hohe Ausfallsicherheit, selbst bei großflächigen Ausfällen,
🛰️ globale Verfügbarkeit, insbesondere in ländlichen oder schwer zugänglichen Gebieten,
🛰️ schnelle Einsatzbereitschaft durch mobile und stationäre Lösungen.

Ob bei Koordination von Einsatzkräften in Katastrophengebieten oder zur Sicherstellung von Kommunikationsketten während Cyberangriffen – Satellitenkommunikation ist eine wertvolle Ergänzung zur bestehenden Infrastruktur.

Der Aufbau eines redundanten Kommunikationskanals erfordert eine strategische Integration in bestehende Einsatzkonzepte. BOS sollten daher:

1. Bedarf und Szenarien definieren: Welche Ausfallszenarien sind relevant?
2. Technische Lösungen prüfen: Welche Systeme passen zu den Anforderungen?
3. Schulung/Training sicherstellen: Regelmäßige Übungen sind wichtig.
4. Einsatztests durchführen: Reale Tests sichern den reibungslosen Betrieb.

Mir wurde neulich gesagt, dass sich das kein Landkreis leisten kann. Wir haben Kunden, die das Gegenteil beweisen, die jeden ELW mit Starlink ausgestattet haben. Auch der hier verlinkte Artikel des Kuhn Fachverlag GmbH & Co. KG zeigt, dass es immer mehr Landkreise gibt, die diesen Bedarf erkannt haben.

Starlink und Behörden

Zum Thema Starlink lohnt eine kritische Betrachtung:

Das RedaktionsNetzwerk Deutschland widmet sich in einem lesenswerten Beitrag ausführlich Elon Musks Starlink: Link

Kritik an Starlink für Behörden


Abhängigkeit von SpaceX – Als US-Unternehmen unterliegt Starlink politischen Entscheidungen. Zugang könnte eingeschränkt werden.
Geopolitische Risiken – SpaceX hat bereits in Konflikten Zugänge angepasst. Behörden könnten unvorhersehbaren Einschränkungen unterliegen.
Fehlende Kontrolle – Klassische Netze wie BOS-Funk unterliegen staatlicher Regulierung, Starlink nicht.
Cybersecurity – Manipulation und Angriffe auf die Infrastruktur sind denkbar.
Wirtschaftliche Unsicherheit – Änderungen in der Geschäftsstrategie könnten den langfristigen Betrieb gefährden.

Manuel 'HonkHase' Atug (AG Kritis) bringt es im Artikel des RND auf den Punkt: Musk habe im Ukraine-Krieg gezeigt, dass er "skrupellos eigenen Interessen Vorrang gewährt. Eine per Zufall von Lust und Laune betriebene Kommunikation könne nicht für das Wohl und die Sicherheit eines Landes dienen."

Fazit: Redundanz ja - aber mich Bedacht!


Meine grundsätzliche Meinung bleibt: Ein zusätzlicher, unabhängiger Kommunikationskanal jenseits Mobilfunk und klassischem Breitband-Internet ist für die Akteure in der Gefahrenabwehr absolut wichtig.
Starlink bietet eine schnelle und leistungsfähige Internetverbindung mit vergleichsweise geringer Latenz im Vergleich zu klassischen geostationären Satelliteninternet-Diensten durch seine niedrigen Orbithöhen, was es besonders für einsatzkritische Anwendungen attraktiv macht. Zudem ist es im Vergleich zu anderen Satelliteninternetlösungen verhältnismäßig kostengünstig und kann schnell und flexibel in abgelegenen Gebieten oder Krisensituationen eingesetzt werden. Doch einseitiges Vertrauen in Starlink schafft neue Abhängigkeiten und sollte nicht die einzige Rückfallebene darstellen.



Montag, 20. Januar 2025

Die Einsatzführung im Ahrtal 2021


Am Wochenende habe ich das Buch von Dominic Gißler, Sebastian Herbe und Ramian Fathi des S+K-Verlags gelesen, das auf zwei bisher nicht publizierten Gutachten basiert. Sehr lesenswert! Auf die konkreten Geschehnisse im Ahrtal möchte ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen, hier wurde bereits sehr viel gesagt und natürlich auch publiziert.

Ich möchte aber auf Zitate aus dem Buch eingehen (S59 f.):

„Es scheint sich in der Fachwelt die Erkenntnis herauszubilden, dass ein zentralistisches, papiergebundenes Informationsmanagementsystem nicht die erforderliche Kapazität für das Informationsaufkommen in größeren und größten Einsätzen erbringen kann, (…) dass Medienbrüche zu Zeitverzügen und Schriftbilder und verkürzte Darstellungen immer wieder zu Missverständnissen führen können.
Der Gutachter rät (…), papiergebundene Informationsmanagementsysteme als Redundanz für den Ausfall von Elektrizität/Internet vorzuhalten und bei Verfügbarkeit derselben das Informations- und Kommunikationswesen IT-/IP-gebunden zu organisieren.“

Dem ist tatsächlich nicht sehr viel hinzuzufügen – im Klartext: Vierfachvordruck, handgeschriebene Meldungen und Co. sind ein anachronistischer Flaschenhals.

Gißler führt weiter aus:

„E-Mail-Programme können unter Erlass einiger weniger organisatorischer Regeln und wenig aufwendiger Vorlagen auf Basis etwa von Tabellenkalkulationssoftware alle erforderlichen Funktionalitäten erbringen.“

Hier wage ich den Punkt „gerichtsfeste, revisionssichere Dokumentation“ in den Raum zu werfen – das sehe ich bei der Verwendung von Office-Programmen als sehr schwierig bis unmöglich an.

„Je nach Einsatzführungssoftware kann diese die gleichen Funktionalitäten wie E-Mail-Programme mit organisatorischen Regeln erbringen. In solchen werden häufig auch Module für Lagedarstellungen angeboten. Diese Darstellungen sind allerdings oft auf geografische Karten beschränkt und haben einen überwiegend operativen Nutzen. (…) Strategische Tätigkeiten der Einsatzführung können kaum automatisiert werden, weswegen das Informationsmanagement gezielt auf die Genese strategisch relevanter Informationen ausgerichtet werden muss. Einsatzführungssoftware kann dies erfahrungsgemäß nicht erbringen.“

Ist das so? Georeferenzierte Lagedarstellung in Verbindung mit Live- und Prognosedaten, Übersichten (neudeutsch „Dashboards“) etc. können tatsächlich weitestgehend automatisiert erfolgen. Dass der strategische Planungsprozess der einzelnen Sachgebiete nicht vollumfänglich automatisiert werden kann: Geschenkt, das ist auch nicht der Anspruch eines digitalen Stabs- und Führungssystems. Es soll die Führung durch zur Verfügungstellung aller Informationen, durch Workflows, gerichtete Kommunikation usw. unterstützen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
(Siehe: https://lnkd.in/gvKZBaUu)

By the way: Office-Produkte können das auch nicht! 😉

Dienstag, 31. Dezember 2024

Die Facetten der Stabsarbeit


Im vergangenen Jahr habe ich mich auf LinkedIn mit einzelnen Aspekten der Stabsarbeit auseinandergesetzt und eine Reihe zu verschiedenen Themen aufgesetzt. Schmökert gerne einmal rein!

🌐 Stabsarbeit: Was ist das eigentlich?
https://lnkd.in/eBgWuVgR

🚒 Führungsstäbe der Feuerwehr
https://lnkd.in/ehgPxu-D

📚 Verwaltungsstäbe
https://lnkd.in/eFu7QZXE

🚓 Führungsstab der Polizei
https://lnkd.in/eDps-xDN

👔 Krisenstäbe in Wirtschaftsunternehmen
https://lnkd.in/eAtnuigV

🏭 Krisenstäbe in Störfallunternehmen
https://lnkd.in/epcx_EWY

🏥 Stabsarbeit im Krankenhaus
https://lnkd.in/eqy7W_TE

🫡 Militärische Stabsarbeit
https://lnkd.in/eRhnxagk

🏴󠁤󠁥󠁢󠁷󠁿 VwV Baden-Württemberg
https://lnkd.in/e3CzvPvM

↔️ Einstabs- und Zweistabsmodell
https://lnkd.in/ekCWJYp8

Videoreihe:

🎬 Was ist Stabsarbeit
https://lnkd.in/ev6XqdXU

📹 S1:
https://lnkd.in/evk5EP6D

📹 S2:
https://lnkd.in/eZmJTxeG

🎬 S3:
https://lnkd.in/etFQ5kNn

📹 S4:
https://lnkd.in/ebg56ZUV

🎬 S5:
https://lnkd.in/eAEQTyBA

📹 S6:
https://lnkd.in/eg9KGQ-B

🎬 Strom-/Internetausfall:
https://lnkd.in/eEFZgu5T

Last but not least: www.geobyte.de - mit metropolyBOS digitalisiert man den Führungsvorgang.

Montag, 29. Juli 2024

Auch das ist Feuerwehr!🚒 📟

Im Vorfeld unseres Tags der offenen Tür und unserem Feuerwehrfest habe ich zusammen mit meiner Frau 25 kg Zwiebeln, 15 kg Weißkohl, 5 kg Karotten, 20 Liter passierte Tomaten, 10 Liter Sahne, 10 kg Cheddar usw. zu Coleslaw, 30 Litern Soße für Currywurst (normal und „B1-scharf 🌶️“), 10 Liter Chili-Cheese-Soße und noch so einigen Sachen mehr vorbereitet. Vor ein paar Wochen haben wir schon 25 kg Schweinerücken in den Smoker gepackt und zu Pulled Pork verarbeitet und eingefroren. Auch das ist für mich „Ehrenamt in der Feuerwehr“.

Vergangenes Wochenende war es dann wieder so weit: Unser Feuerwehrfest hat gezeigt, dass die Feuerwehr viel mehr ist als nur „retten – löschen – bergen - schützen“.

Freiwillige Feuerwehren sind fest in das Gemeindeleben integriert. Das zeigt sich nicht nur bei jedem Einsatz sondern auch dann, wenn die Feuerwehr zum Feiern einlädt! Bei leckerem Essen, abendlicher Live-Musik, am Sonntag einem Gottesdienst und Unterhaltung durch den örtlichen Musikverein, einer spannenden Vorführung der Jugendfeuerwehr und gemütlichem Beisammensein konnten neue Freundschaften entstehen und bestehende vertieft werden. Menschen jeden Alters und aus verschiedenen Hintergründen feierten mit uns – ein echtes Highlight!

Für die jüngsten Besucher gab es viele Aktivitäten, bei denen sie spielerisch die Arbeit der Feuerwehr kennenlernen konnten. Diese Aktionen sind nicht nur unterhaltsam, sondern auch wichtig, um frühzeitig Interesse zu wecken und den Nachwuchs zu fördern. Unsere Jugendfeuerwehr präsentierte stolz ihre Fähigkeiten und zeigte, dass der Nachwuchs bereit ist, in die Fußstapfen der Erwachsenen zu treten.

Besonders erfreulich war die tatkräftige Unterstützung durch Partner und Familienangehörige, die wesentlich zum Gelingen des Fests beitrugen.
Ein herzliches Dankeschön an alle, die geholfen haben, dieses Fest zu einem vollen Erfolg zu machen.

Ich freue mich schon auf das nächste Jahr – da feiern wir 150 Jahre!



Samstag, 8. Juni 2024

Sach ma, Stern, hackt's bei euch?



"Dass Polizisten im Dienst ums Leben kommen, ist bedauerlich. Jeder tote Polizist ist einer zu viel. Aber es passiert zum Glück selten. Bauarbeiter leben gefährlicher."

Das ist Eure Überschrift - aber Ihr schafft es, dieser Geschmacklosigkeit noch einen darauf zu setzen: "In Hessen bekommen Polizisten und andere Beamte eine Angriffsentschädigung von 2.000 Euro - steuerfrei. Welcher Polizist hat da noch Interesse an einer Deeskalation?" - um direkt danach über Polizeigewalt zu salbadern. In einem Artikel über einen im Dienst ermordeten Polizisten.

https://www.stern.de/gesellschaft/mannheim--wie-mit-dem-tod-eines-beamten-politik-gemacht-wird--meinung--34764270.html

Und dann die Grünen… Bei einer Trauerrede zum Andenken an Rouven L. entblödet sich eine Abgeordnete mit dummen Sprüchen und bekommt Lacher aus der eigenen Fraktion.

https://www.zeit.de/politik/deutschland/2024-06/gruene-lachen-mord-polizist-mannheim-kritik

Ja, Frau Bozkurt hat sich entschuldigt. Ja, der Stern hat seine Headline zwischenzeitlich geändert. Zur Kenntnis genommen - aber Worte sind wie Pistolenkugeln: einmal abgefeuert können sie nicht zurückgenommen werden. Die schallenden Ohrfeigen von Stern und den Grünen brennen heiß auf den Wangen einer jeden Einsatzkraft, die sich für die Sicherheit ihrer Mitmenschen einsetzt, gleich ob in der Polizei, der Feuerwehr, dem Rettungsdienst, der Bundeswehr oder dem Bevölkerungs- und Katastrophenschutz.

Und die Gesellschaft wundert sich, weshalb wir vermehrt Debatten über Gewalt gegen Einsatzkräfte führen müssen.

Unter anderem genau darum.

Sonntag, 24. März 2024

Gruppenführerausbildung: Feuerwehr und Katastrophenschutz, eine vergleichende Betrachtung

In meinem „früheren Leben“ war ich Organisatorischer Leiter Rettungsdienst und Verbandführer im Katastrophenschutz und habe als Instruktor in der Führungskräftequalifizierung an der DRK-Landesschule des DRK-Landesverbandes Baden-Württemberg mitgewirkt und selbst viele Gruppen- und Zugführer ausgebildet.

Daher war ich sehr gespannt, was mich bei der Gruppenführerausbildung bei der Feuerwehr erwartet, als ich vor zwei Wochen den Lehrgang an der FÜBA in Eschbach angetreten bin.

Der offensichtlichste Unterschied besteht zunächst in der Lehrgangsdauer – beim DRK dauert die Qualifikation zum Gruppenführer 40 Stunden (bzw. Unterrichtseinheiten/UE), bei der Feuerwehr ist der Lehrgang mit 70 Stunden/UE angesetzt.

Der wesentlich prägnantere Unterschied ist aber der jeweilige Anteil von Theorie und Praxis:

⛑️ Gruppenführerausbildung KatS – Theorie: 
unter anderem rechtliche Rahmenbedingungen (RDG, LKatSG, FWG, DRKG, GG, ZSKG), Führungsebenen, Führungsvorgang als Denkmodell im Kreislauf (DV 100), Führungsmittel, IuK, taktische Zeichen (DV 102), Führen bei belastenden Einsätzen (Stressmanagement, PSNV), Besondere Einsatzlagen (HEIKAT, CBRN(E), GAMS, Demonstrationen/Großveranstaltungen), Führungstaktik bei Sanitätsdiensteinsätzen und MANV, Einsatzwerte der Bevölkerungsschutzeinheiten, Führungstaktik bei Betreuungsdienst (und weitere theoretischen Inhalte), rund 34 Stunden

⛑️ Gruppenführerausbildung KatS – Praxis: 
Erkundungsübung, z.B. für einen Behandlungs- oder Betreuungsplatz, rund 6 Stunden

👨‍🚒 Gruppenführerausbildung Feuerwehr - Theorie: 
unter anderem Einsatztaktik, Erkundung, Verhalten bei der Brandbekämpfung, Einsatzlehre, Baukunde, vorbeugender Brandschutz, Rettung und technische Hilfeleistung, Ausbilden, Gefährliche Güter und Stoffe, Feuerwehrrecht (FWG, LKatSG, RDG, GG), Brennen und Löschen, Einsatzleitung und Einsatzvorbereitung, rund 36 Stunden

👨‍🚒 Gruppenführerausbildung Feuerwehr – Praxis: 
jeder Teilnehmer durchläuft (zumindest an den Lehrgängen der FÜBA in Eschbach) rund 40 verschiedene Einsatzszenarien aus den Bereichen Brandbekämpfung, Technische Hilfe und CBRN(E), bei denen er 3-4 Mal selbst als Gruppenführer tätig wird, in den anderen Fällen nimmt er als Teil der Gruppe auf verschiedenen Positionen teil. Zur praktischen Abschlussprüfung führt jeder Teilnehmer ein Szenario aus den genannten Bereichen und kommt somit insgesamt auf weitere 10 praktische Übungslagen, insgesamt rund 34 Stunden.

(Quellen: Curriculum Gruppenführerausbildung DRK-Landesverband Baden-Württemberg e.V., Stundenplan LG-GruFü 2024_1 füba Eschbach)

Es zeigt sich also, dass der Anteil der praktischen Ausbildung bei der Feuerwehr deutlich höher ist. Man wird gewissermaßen in hochintensiven Trainingsszenarien auf die Standardeinsatztaktiken, insbesondere auf die Anwendung des Befehlsschemas, Einsätze mit und ohne Bereitstellung, die vier Phasen der Erkundung, Anwendung von Kleinalgorithmen wie GAMS bei Gefahrgutunfällen, den Rettungsgrundsatz usw. „gedrillt“ und frischt gleichzeitig noch einmal das vorhandene Wissen aus der Grundausbildung und dem Truppführerlehrgang auf, auch wenn glücklicher- und dankenswerterweise nicht jedes Mal Schläuche gewickelt werden mussten und man beispielweise den Verteiler nur symbolisch ohne B-Schläuche gesetzt hat und die Atemschutzgeräteträger lediglich die Flaschen mitgeführt haben, ohne tatsächlich Masken zu tragen. Körperlich herausfordernd war es dennoch, wie oft ich in der letzten Woche die vierteilige Steckleiter aufgebaut habe und teilweise gestiegen bin, das wissen nur die Götter – oder die Lehrgangsleitung. Ich finde diese Art der praktischen Ausbildung grandios und habe eine derartig nachhaltige Methodik in meiner bisherigen „Karriere“ in der Gefahrenabwehr so lediglich bei der Bundeswehr erlebt.

Das gibt es in dieser Form bei der Ausbildung zum Gruppenführer im Katastrophenschutz nicht, hier beschränkt sich die praktische Ausbildung im Großen und Ganzen auf Planspielübungen und eine Erkundung.

Auch wenn der absolute Stundenanteil der theoretischen Ausbildung in beiden Fällen in etwa gleich ist, so wird im Katastrophenschutz ein größerer Anteil auf den theoretischen Unterbau für die Führung als solches verwendet – bei der Feuerwehr hingegen überwiegen fachliche Themen wie Brandbekämpfung, vorbeugender Brandschutz, Gefahrgut usw., jeweils auch unter besonderer Berücksichtigung von Einsatztaktik und Führung. Tatsächlich kam mir persönlich bei der Feuerwehr die theoretische Behandlung von Einsatzleitung und Einsatzvorbereitung, Einsatztaktik, Fahrzeugaufstellung, taktische Zeichen nach DV 102 usw. ein wenig zu kurz. Sicherlich kann man trefflich darüber diskutieren, ob man auf Gruppenführerebene bereits taktische Zeichen kennen muss – meine Meinung dazu ist eventuell durch den Katastrophenschutz und auch durch meinen Beruf vorbelastet, aber wie gesagt, für meinen Geschmack kam das zu kurz. Auch hätte ich mir eine wie auch immer geartete Form der Vorbereitung auf die theoretische Prüfung, z.B. durch theorieeinheitenabschließende Beispielfragen gewünscht. Die Tiefe der Fragen hat mich dann doch überrascht und es war völlig unklar, wie breit und mit welchen Schwerpunkten die auszuformulierenden Fragestellungen beantwortet werden sollten. Ich meine damit ausdrücklich nicht, dass die Prüfung unangemessen schwer war, sie war völlig machbar – wenn aber die beste Note im Lehrgang eine „zwei“ vor dem Komma hat, dann hat man sich als Lehrgangsteilnehmer offensichtlich nicht ausreichend bzw. falsch vorbereitet.

Positiv hervorzuheben ist bei der Feuerwehrausbildung die Fachlichkeit der Referenten. Während es beim DRK oftmals ehrenamtlich Tätige sind, die ihr Wissen aus eben diesen organisationsinternen Führungskräftequalifizierungen beziehen, waren alle Fachreferenten beruflich mit dem jeweiligen Thema befasst – Baurecht und vorbeugender Brandschutz mit einem Dozenten aus ebendiesem Bereich, Brandbekämpfung mit einem altgedienten Berufsfeuerwehrmann, Rechtslehre durch Kreisbrandmeister aus dem gehobenen Dienst usw. Ich will damit die Lehre im DRK nicht abqualifizieren – auch dort gibt es hervorragende Referenten, die fachliche Tiefe halte ich bei der Ausbildung der Feuerwehr aber grundsätzlich für höher.

Last but not least hat mich das Teilnehmerfeld des Lehrgangs überrascht. Leider habe ich es bei meiner Zeit im DRK gelegentlich erlebt, dass Leute auf diese Führungslehrgänge entsandt wurden, deren vorherrschende persönliche Qualifikation war, dass kein anderer da war, der es machen möchte oder die ihren Leitungskräften so lange auf die Nerven gingen, dass sie diese entsandt haben - getreu dem Motto "hoffentlich fallen sie in der Prüfung durch...". Es gibt in diesem Bereich Menschen, die viel Motivation für Führung mitbringen, woraus auch immer die sich begründet, die aber beispielsweise in der freien Wirtschaft eine derartige Position nicht erreichen würden, da ihnen das notwendige „Handwerkszeug“ und die Softskills fehlen. Das fängt in den Strukturen des eingetragenen Vereins beim BGB-Vorstand und den Leitungsämtern wie Bereitschaftsleitungen auf Orts-, Kreis- bis hin zur Landesebene an und geht bei den Führungskräften weiter, die von diesen Leitungsämtern eingesetzt werden. Und auch hier bitte ich das nicht als allgemeine Kritik am Katastrophenschutz bzw. am DRK zu verstehen, meine Erfahrungswerte hier sind anekdotisch auf Einzelfälle zu sehen, die mit Sicherheit NICHT die Breite des Verbandes widerspiegeln, aber eben doch häufiger vorkommen als es meiner persönlichen Erfahrung nach bei der Feuerwehr der Fall ist. 

Im Lehrgang vergangene Woche hatte knapp die Hälfte der Teilnehmer einen akademischen Hintergrund. Durch die Bank alle Teilnehmer sind seit mehreren Jahren aktiv, viele bereits inklusive Jugendfeuerwehr seit 20 oder mehr. Tatsächlich gehörte ich mit meinen 46 Jahren zwar zu den lebensältesten Teilnehmern und ohne es jetzt statistisch wirklich belastbar erhoben zu haben, war es aber tatsächlich nicht so, dass der Rest komplett zwischen 20 und 30 war, es gab durchaus einige Teilnehmer, die ebenfalls bereits um die 40 waren.

Mein persönliches Fazit:
 
Ich war früher ein Verfechter davon, dass Führungskräftequalifizierungen zwischen den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben gegenseitig zumindest teilweise Anerkennung finden sollten. Ich sehe das jetzt anders: Zu groß ist der fachspezifische Anteil für die Feuerwehr und durch einen „Add-on“-Lehrgang auf den Katastrophenschutzgruppenführer aufsetzend lassen sich diese nur schwer vermitteln. Ich denke, ein Gruppenführer aus dem Katastrophenschutz hat den größeren theoretischen Unterbau in Sachen Führungslehre, die praktische Erfahrung im Führen einer Gruppe kann er aber nur im Einsatzgeschehen sammeln, hier sind die Gruppenführer der Feuerwehr deutlich besser vorbereitet. Schlussendlich ist es also ein Vergleich zwischen Äpfel und Birnen.

Für mich war der Gruppenführerlehrgang in Eschbach bislang der Beste, den ich im „Blaulichtkontext“ besuchen und absolvieren durfte – herzlichen Dank an die Ausbilder und Teilnehmer!

Freitag, 1. März 2024

Internationaler Tag des Zivilschutzes

Schluss mit Lippenbekenntnissen!

Mein Fazit aus dem Tag des Zivilschutzes am 1. März.

1990 wurde dieser Tag von der Internationalen Zivilschutzorganisation (ICDO) ins Leben gerufen, um die Bedeutung des Katastrophenschutzes zu verdeutlichen und das Bewusstsein für Prävention und Selbstschutz zu stärken.

Der Tag des Zivilschutzes erinnert vor allem an eines: An die Notwendigkeit von Investitionen in den Bevölkerungsschutz.

Im Ahrtal wurden wir schmerzlich daran erinnert, wie wichtig eine gut durchdachte Vorbereitung und ein funktionierendes Warnsystem sind. Mit über 180 Toten wurde deutlich, dass bestehende Warnsysteme nicht ausreichen und dass konkrete Maßnahmen erforderlich sind.

Der Bevölkerungsschutz liegt in Deutschland in der Verantwortung der Länder und wird in der Regel von den Kommunen vor Ort umgesetzt. Bei großen Unglücken können die Länder auch Hilfe von anderen Bundesländern oder dem Bund anfordern. Die Erfahrungen aus der Unwetterkatastrophe haben gezeigt, dass es dringend notwendig ist, die bestehenden Warnsysteme zu verbessern und die Vorbereitungen im Bevölkerungsschutz zu intensivieren.

Die Einführung des Cell-Broadcast-Systems nach der Katastrophe war ein wichtiger Schritt, aber tatsächlich nur eine Lehre aus dem Geschehenen. Sehr viel mehr ist auch aufgrund der "Nicht-Zuständigkeit" des Bundes nicht geschehen und die Maßnahmen in den Ländern und Landkreisen unterliegen einer großen Streubreite.

Immer direkt nach einem solchen Unglück werden im Angesicht der medialen Aufmerksamkeit viele Forderungen laut, die nach etwas Grasbewuchs über der Sache unterm Strich dann Lippenbekenntnisse bleiben - schnell kommt man in der Politik wieder hinter vorgehaltener Hand zum Schluss: "There is no glory in prevention - mit Investitionen in den Bevölkerungsschutz gewinnt man keine Wählerstimmen."

Der Tag des Zivilschutzes soll daran erinnern, dass es eben nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben darf: Es ist an der Zeit, konkrete Schritte in Richtung einer resilienten Gesellschaft zu unternehmen. Investitionen in den Bevölkerungsschutz sind keine Option, sondern eine Notwendigkeit - hier eingespartes Geld kostet Menschenleben.

Eine bessere Ausstattung, modernisierte Warnsysteme, digitalisierte Prozesse, bessere Qualifizierung und effiziente Vorbereitungsmaßnahmen sind absolut notwendig, um zukünftige Herausforderungen besser zu bewältigen.

Sonntag, 18. Februar 2024

Die Feuerwehr - ein ärgerlicher Kostenfaktor im kommunalen Haushalt?

Man hört derzeit in Vaihingen von Zeiten kollabierender Haushalte, bei denen der Oberbürgermeister
sogar bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehren betont, dass die Feuerwehr ihren Teil zum Sparen beitragen muss. Eine Antwort auf die Frage, wo die Feuerwehr denn verschwenderisch gewesen sei, bleibt er schuldig. Etwa bei der Neubeschaffung von Fahrzeugen durchschnittlich alle 25 Jahre? Bei der persönlichen Schutzausstattung der Feuerwehrleute? Bei der Ausbildung der Ehrenamtlichen?

In den Diskussionen im Gemeinderat und in Bürgerbewegungen werden von einzelnen Akteuren die Kosten der Feuerwehr in Zweifel gezogen. Sicher mag man über die Innenausstattung eines neu zu bauenden Gerätehauses diskutieren können, aber man sollte dieses Blatt nicht überreizen. Generell gesagt: Sparen wir an modernem Gerät, an vernünftiger persönlicher Schutzausrüstung, an den Gerätehäusern und an bestens ausgestatteten Fahrzeugen, riskieren wir Menschenleben. Entweder das der Betroffenen, weil Einsatzkräfte nicht nach anerkanntem Stand der Technik agieren können oder das der Einsatzkräfte - zum allergrößten Teil freiwillig und ehrenamtlich handelnd - die bei diesen Diskussionen mehr und mehr die Motivation verlieren, ihren Allerwertesten hinzuhalten. Zumindest habe ich in den letzten Monaten von einigen Kameraden gehört, dass sie so einfach keinen Bock mehr haben, wenn Kritik an der Kommunalpolitik einfach mit „Jammern auf hohem Niveau“ abgekanzelt wird. 

Wir sollten eins nicht vergessen: Feuerwehrleute leisten einen freiwilligen, nahezu unentgeltlichen und ehrenamtlichen Dienst an der Gemeinschaft. Als Ehrenamtlicher stelle ich mir dann doch die Frage: Wenn unsere Gemeinschaft und der Oberbürgermeister dies nicht wertschätzen, warum opfern wir dann unsere Freizeit für Übungen, investieren viele Wochenenden oder gar ganze Wochen in Aus-, Fort- und Weiterbildungen, sind rund um die Uhr einsatzbereit und gehen bei jedem Notruf raus?

Ein paar Bilder vom letzten Sonderübungsdienst zur technischen Hilfeleistung geben einen Einblick in die Teamarbeit der Feuerwehr. Es wäre toll, wenn zu diesem Team auch Oberbürgemeister, Verwaltung und Bevölkerung gehören würden. 

Ja, Feuerwehr kostet Geld. Einsparungen kosten Leben.

P.S.: Privates Statement, ich spreche nicht für die Feuerwehr.








Montag, 29. Januar 2024

Wenn die Grenzen zwischen Beruf und Ehrenamt verschwimmen

Vergangenen Samstag nahm ich als Teilnehmer an einer Schulung für die Führungsgruppe bei meiner Heimatfeuerwehr Vaihingen an der Enz teil, die sich intensiv mit metropolyBOS beschäftigt. Geschult wurde durch einen von GEOBYTE ausgebildeten Multiplikator aus dem Landkreis Ludwigsburg. Die Veranstaltung ermöglichte mir neben Einblicken aus Nutzersicht auch die Gelegenheit, an manchen Stellen mit meinen Erfahrungen zu ergänzen und das Team zu unt
erstützen.

Für mich besonders wichtig bei solchen Veranstaltungen ist der Transfer von Nutzerfeedback für die Weiterentwicklung der Produkte. Es war für mich an zumindest einer Stelle durchaus überraschend, wie und warum ein Feature in der Praxis genutzt wird und welche Möglichkeiten und Konsequenzen sich daraus ergeben. Durch meine aktive Teilnahme konnte ich wertvolle Perspektiven und natürlich auch Anregungen aus erster Hand mitnehmen. Der direkte Kontakt zu Nutzern jeder Führungsstufe ermöglicht eine enge Verzahnung von Praxiserfahrung und Produktentwicklung. 

Die verschwimmende Grenze aus der Überschrift ist eigentlich eher eine aus meiner Sicht gelungene und durchaus wünschenswerte Verbindung von Beruf und Ehrenamt. Zu sagen, dass ich mein "Hobby zum Beruf" gemacht habe, wird der Sache nicht gerecht, da ich die ehrenamtliche Tätigkeit in der Gefahrenabwehr im allgemeinen und in der Feuerwehr im speziellen als bedeutend mehr als nur ein "Hobby" betrachte. 

Eine 𝘄𝗶𝗻-𝘄𝗶𝗻-𝘄𝗶𝗻-Situation für:
mich, die Feuerwehr und das Unternehmen.

So rein persönlich gesprochen bin ich sehr erleichtert aus dieser Veranstaltung gegangen. Das positive und konstruktive Feedback der Teilnehmer zu metropolyBOS bekräftigt mich in meiner Entscheidung für die GEOBYTE Software GmbH. In der Vergangenheit hatte ich bei solchen Veranstaltungen durchaus gelegentlich "Bauchschmerzen", da oftmals negative Kritik und eine grundlegende Unzufriedenheit mit den damaligen Produkten die Rückmeldungen der Teilnehmer dominierten - das war nicht immer "vergnügungssteuerpflichtig"... 

Ich freue mich also auf weitere Veranstaltungen, demnächst werde ich eine dreitätige Schulung bei einer sehr großen Berufsfeuerwehr begleiten.

Freitag, 29. Dezember 2023

Einsatzveteran und Zivilberuf - mein roter Faden 🫡


Ich war 1998/1999 als 21jähriger Soldat im Rahmen von SFOR in Sarajevo als Rettungssanitäter in der MedEvac-Kompanie des Sanitätseinsatzverbands eingesetzt. Auch wenn der Balkankrieg offiziell vorbei war, wurde man unmittelbar mit dem Leid der Bevölkerung und den allgegenwärtigen Spuren der langen Belagerung konfrontiert. 

2000 war ich im Kosovo (KFOR, Prizren) eingesetzt, zunächst als S6-Feldwebel im Stab des Sanitätseinsatzbataillons, danach erneut in der MedEvac. Ein gänzlich anderer Einsatz als in Bosnien, angefangen bei der Gefährdungslage bis hin zum Auftrag.

𝗟𝗲𝘀𝘀𝗼𝗻𝘀 𝗹𝗲𝗮𝗿𝗻𝗲𝗱 𝗶𝗻 𝗱𝗶𝗲𝘀𝗲𝗿 𝗭𝗲𝗶𝘁:

Teamwork und schnelle Entscheidungsfindung:
Als Rettungssanitäter in der MedEvac-Einheit habe ich gelernt, wie entscheidend Teamarbeit und schnelle Entscheidungen sind, vor allem unter hohem Druck.

Information und Kommunikation:
Als S6-Feldwebel im Kosovo erkannte ich die Wichtigkeit effizienter Kommunikation und Informationsmanagement sowie redundanter und resilienter IT und die Bedeutung der Digitalisierung als Gesamtstrategie. Parallelen zu meiner heutigen Tätigkeit im Krisenmanagement und Softwarelösungen für Stäbe sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Flexibilität und Anpassungsfähigkeit:
Der Kosovo lehrte mich, wie wichtig Flexibilität und Anpassungsfähigkeit in unsicheren Umgebungen und dynamischen Lagen sind.

Leadership und Support:
Die Einsatzzeit prägte meine Vorstellung von Leadership, von klaren Zielen bis hin zu Support von und für Kameraden/Kollegen in herausfordernden Zeiten. 

Pragmatismus:
Die Erfahrungen in Bosnien und dem Kosovo lehrten mich, pragmatisch mit Herausforderungen umzugehen und den Unterschied zwischen Vorschriftenlage den Buchstaben nach und dem tatsächlichen Sinn dahinter zu verstehen. Es gibt immer einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis - das zu akzeptieren ist der erste Schritt in Richtung lösungsorientierten Handelns.

Rückblickend lässt sich durch meine Zeit im Militär ein roter Faden bis heute erkennen. Nach der Bundeswehr zunächst Ausbildung zum Rettungsassistenten, anschließend Rettungsdienst und ehrenamtlich Katastrophenschutz, Qualifizierung bis zum Verbandsführer, Abteilungsleitung Rotkreuzdienste und organisatorischer Leiter Rettungsdienst auf Kreis- und anschließend Referatsleitung internationale Soforthilfe, Erste-Hilfe-Programme und Bereitschaften auf Landesebene des DRK und Instruktor für Führungskräftequalifizierung an der DRK-Landesschule, mehrere Monate Abordnung in den Stab des Innenministeriums während der Flüchtlingskrise 2015 und nun beruflich tätig für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben und deren Digitalisierung in Sachen Führung und Stabsarbeit und ehrenamtliche Tätigkeit in der Feuerwehr.


Montag, 18. Dezember 2023

Hey ChatGPT: Warum haben manche Stabstrainer Vorbehalte gegenüber Führungsunterstützungssoftware?


Im Bericht zum Ahrtal wird mangelnde Qualifizierung und fehlende Praxis bzw. Übung des Stabspersonals hervorgehoben. Der Bedarf für die vielen Coaches, Stabstrainer usw. ist jedenfalls da.

Ich beobachte allerdings, zum einen durch Kundenberichte, zum anderen hier in LinkedIn, dass einige dieser Stabstrainer eine Sache eint: Die Ablehnung der Digitalisierung, Ablehnung von Führungsunterstützungssoftware - durch die Bank mit völlig überholten Argumenten. Es wird die These vertreten: Flipchart, Metaplanwand, Stifte und UTM-Karten reichen aus.

Stimmt. Ich benötige auch kein fließend Wasser, ich kann mit dem Eimer zum Brunnen laufen. Das hat ja schließlich jahrtausendelang wunderbar funktioniert, das funktioniert auch im 21. Jahrhundert.

Ich habe mir den Spaß gemacht und ChatGPT gefragt, woher diese Ablehnung kommen könnte. Und musste schmunzeln...

Ein paar Originalantworten:

1. Tradition und Erfahrung: Viele Trainer und Ausbilder blicken auf Erfahrung mit analogen Methoden zurück und betrachten diese als bewährte Praktiken. Traditionelle Ansätze haben möglicherweise in der Vergangenheit gute Ergebnisse erzielt, was dazu führen kann, dass sie weiterhin bevorzugt werden.

2. Unsicherheit und Angst vor Inkompetenz: Wenn Ausbilder nicht mit digitalen Tools vertraut sind, könnte die Unsicherheit darüber, wie man sie effektiv nutzt, zu einer gewissen Angst oder Sorge führen.

3. Angst vor Entwertung der eigenen Rolle: Die Digitalisierung könnte als Bedrohung für die traditionelle Rolle von Trainern wahrgenommen werden. Wenn digitale Systeme als effizienter angesehen werden, könnten einige befürchten, dass ihre Expertise und Erfahrung weniger relevant werden.

4. Mangelnde Anpassungsfähigkeit: Einige Personen könnten Schwierigkeiten haben, sich an neue Technologien anzupassen, insbesondere wenn dies mit Lernaufwand verbunden ist. In solchen Fällen könnten sie geneigt sein, bei bewährten analogen Methoden zu bleiben.

5. Widerstand gegen Veränderungen: Menschen neigen dazu, Veränderungen zu widerstehen, insbesondere wenn sie das Gefühl haben, dass dies ihre etablierten Praktiken oder ihre Rolle in Frage stellen könnte. Digitale Transformationen erfordern oft eine Anpassung an neue Arbeitsweisen.

Autsch.

Was auch immer es ist: Viele Bundesländer und Landkreise haben erkannt, dass die Digitalisierung ein Gesamtprozess ist. Ein Prozess, dem man sich nicht länger verschließen kann. Ich hoffe, dass sich die Kollegen aus Beratung und Training dieser Erkenntnis auch irgendwann anschließen.

By the way: Gerne bieten wir künftig Stabstrainings kombiniert mit Softwareschulungen an. Interesse? ;-)

Donnerstag, 30. November 2023

Krisenmanagement - Interdepenzen in öffentlichen und betrieblichen Systemen

🔍Rezension zu „KRISEN & KATASTROPHEN managen“

Vorweg: Ich kenne Markus Glanzer, einen der Autoren, bereits seit vielen Jahren. Wir haben uns auf einer Tagung in Bad Boll kennengelernt. Er war damals beim Generalsekretariat des ÖRK in Wien angestellt, ich war Referatsleiter beim DRK-Landesverband Baden-Württemberg e.V.. Vielen Dank für die Übersendung eines Belegexemplars, lieber Markus.

Das Werk beleuchtet systematisch die Grundbegriffe im Krisenmanagement sowie Aufbau/Struktur des Zivil- und Katastrophenschutzes, detailliert am Beispiel Österreichs gefolgt von Deutschland sowie je ein Überblick über die angrenzenden EU-Staaten. Auch wird ein Blick auf die europäischen Katastrophenschutzverfahren geworfen. Über einen Ausflug in die Kritischen Infrastrukturen KRITIS gelingt ein sehr guter thematischer Übergang zum Business Continuity Management BCM und die betriebliche Gefahrenabwehr.

Durch meine berufliche Vergangenheit und aktuelle Tätigkeit kann ich behaupten, nahe am Thema Krisenmanagement zu sein. Daher habe ich dieses Buch mit Spannung erwartet. Die Autoren des Buches schlagen dieselbe Brücke zwischen behördlichem und betrieblichem Krisenmanagement, wie ich es vor einiger Zeit hier in einem Beitrag getan habe.

Beispiel? Zitat:
„In jedem Unternehmen gibt es eine festgelegt Aufbau- und Ablauforganisation. Die Aufbauorganisation beschreibt den grundlegenden Aufbau eines Unternehmens oder einer Organisation, die Hierarchie und Gliederung, die Rahmenbedingungen und wer im Unternehmen wofür zuständig ist. In der Ablauforganisation werden die Arbeitsprozesse beschrieben (…) Nachdem jedoch die Notfall- und Krisenbewältigung in den Alltagsstrukturen nicht praktikabel ist, benötigt ein Unternehmen eine zusätzliche, besondere Aufbau- und Ablauforganisation für das Krisenmanagement. (…) um die Entscheidungswege flexibler und kürzer zu gestalten, werden im Notfall und in der Krise die herkömmlichen Strukturen erweitert oder ausgesetzt.“
Wem das nun bekannt vorkommt: Auch im Krisenmanagement der Polizei kennt man beispielsweise den Begriff der Besonderen Aufbauorganisation BAO, die eine zeitlich begrenzte Organisationsform für umfangreiche und komplexe Aufgaben aus besonderen, nichtalltäglichen Anlässen heraus darstellt.

Mein Fazit: Betriebliches und behördliches Krisenmanagement profitieren voneinander. Die etablierten Prozesse in den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben BOS funktionieren ebenso in Wirtschaftsunternehmen. Das Buch ist eine Pflichtlektüre für alle, die sich aufgrund ihrer Position in den BOS und selbstverständlich auch im Betrieb mit Krisenmanagement auseinandersetzen. Und nein, das ist jetzt keine Gefälligkeitswerbung: Ich bin vom Buch begeistert! 💪







Montag, 9. Oktober 2023

Ich brenne seit 2015 für die Digitalisierung im Katastrophenschutz!


Gestern bekam ich in Facebook diese Erinnerung angezeigt. Die Story dahinter ist: Ich war als einer von mehreren Fachberatern zur Zeit der Flüchtlingskrise in den Stab des Innenministeriums Baden-Württemberg abgeordnet. Der DRK-Landesverband Baden-Württemberg e.V. hatte damals ein digitales Führungsunterstützungssystem eingeführt, so konnte ich tatsächlich von zu Hause aus meiner Funktion nachgehen.
Welche Vorteile ich bei der Digitalisierung sehe? Hier einige Punkte (nicht abschließend 😉)

➡️ 𝗦𝗰𝗵𝗻𝗲𝗹𝗹𝗲𝗿𝗲 𝗥𝗲𝗮𝗸𝘁𝗶𝗼𝗻𝘀𝘇𝗲𝗶𝘁𝗲𝗻: Durch die Digitalisierung können Informationen in Echtzeit erfasst und geteilt werden, was zu schnelleren Reaktionszeiten führt.
➡️ 𝗘𝗳𝗳𝗶𝘇𝗶𝗲𝗻𝘁𝗲 𝗥𝗲𝘀𝘀𝗼𝘂𝗿𝗰𝗲𝗻𝘃𝗲𝗿𝘄𝗮𝗹𝘁𝘂𝗻𝗴: Digitale Tools ermöglichen eine bessere Koordinierung von Rettungsteams und die effiziente Zuweisung von Ressourcen an betroffene Gebiete.
➡️ 𝗘𝗶𝗻𝗳𝗮𝗰𝗵𝗲𝗿𝗲 𝗞𝗼𝗺𝗺𝘂𝗻𝗶𝗸𝗮𝘁𝗶𝗼𝗻: Die Nutzung von digitalen Kommunikationsplattformen erleichtert die Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Akteuren.
➡️ 𝗘𝗰𝗵𝘁𝘇𝗲𝗶𝘁𝗱𝗮𝘁𝗲𝗻𝗮𝗻𝗮𝗹𝘆𝘀𝗲: Moderne Softwarelösungen können große Mengen von Daten in Echtzeit analysieren, um fundierte Entscheidungen zu treffen und Trends zu identifizieren.
➡️ 𝗙𝗹𝗲𝘅𝗶𝗯𝗶𝗹𝗶𝘁ä𝘁 𝘂𝗻𝗱 𝗦𝗸𝗮𝗹𝗶𝗲𝗿𝗯𝗮𝗿𝗸𝗲𝗶𝘁: Die Digitalisierung ermöglicht es, die Kapazitäten des Stabs bei Bedarf flexibel anzupassen und zu erweitern.
...

Mittlerweile hat sich das Rad der Geschichte weitergedreht. Ich war nach meiner Zeit beim DRK-Landesverband Baden-Württemberg vier Jahre Geschäftsführer für eine Softwarefirma, die genau solche Bedarfe der Behörden und Organisationen für Sicherheitsaufgaben abgedeckt hat. Diese Firma ging in einem Wettbewerber auf - und ich werde demnächst wieder für eine Firma arbeiten, die sich die Digitalisierung der Führung auf die Fahnen geschrieben hat.

Mittwoch, 8. Februar 2023

Förderung des Ehrenamts


Ehrenamt: Rente für Feuerwehr? Kommunen skeptisch.

»... (man) könne sich nicht nur auf die Feuerwehren konzentrieren. «Man müsste das ganz große Fass aufmachen.»

Quelle 

 
Kommentar meinerseits:

Die Diskussion ist für mich ein Synonym für die Gesamtdebatte, dass Staat und Gesellschaft ehrenamtliches Engagement in der Gefahrenabwehr fordern, selbst aber nur wenig zur Motivation beitragen. Außer Lobhudelei und Applaus kommt da nicht sonderlich viel. Das Ehrenamt ist die tragende Säule im Gefahrenabwehrkonzept aller Bundesländer schlechthin - und ich persönlich bin der Ansicht, dass das durch bestmögliche Ausstattung auf der einen Seite, aber auch durch tatsächliche Wertschätzung in Form von „richtigen“ Benefits wie z.B. früherer Renteneintritte, Steuervergünstigungen oder was auch immer honoriert werden muss.
 
Keine Frage, ich leiste meinen Dienst auch ohne das, aber diese Diskussion gehört dazu, wenn man über eine Anerkennungskultur spricht.

Entweder man sucht Probleme - oder findet Wege.
 
#Anerkennung #Feuerwehr #Katastrophenschutz #DRK #ASB #DLRG #JUH #MHD #BRH

Montag, 31. Mai 2021

time for change

Rund 25 Jahre habe ich beruflich dem „Blaulicht“ gewidmet. Zunächst fünf Jahre beim Militär im Sanitätsdienst und im Anschluss 15 Jahre in einer Behörde und Organisation mit Sicherheitsaufgaben - sowohl im operativen Bereich an der Basis im Rettungsdienst, als auch in administrativen und Führungsfunktionen im DRK in verschiedenen Verbandsebenen. Die letzten knapp fünf Jahre dann in der freien Wirtschaft im den dritten Sektor und die Behörden rund um das Thema öffentliche Sicherheit/Blaulicht/Katastrophenschutz flankierenden Markt.

Ich habe noch etwa 25 Berufsjahre vor mir - es wird Zeit für einen Tapetenwechsel! Heute endet offiziell meine berufliche Tätigkeit im Blaulichtdunstkreis, ich breche auf zu neuen Ufern und wechsle die Branche. Künftig bin ich im Marktsegment der kaufmännischen Software für Bauträger, Projektentwickler und Wohnbauunternehmen zu Hause. Immobilien sind ein interessanter und zukunftssicherer Wirtschaftszweig und ich freue mich sehr darauf, in der neuen Tätigkeit die sehr vielfältigen Lehren und Erfahrungen der letzten Jahre unter anderem aus den Bereichen Unternehmens- und Mitarbeiterführung, Marketing und Vertrieb zielführend einbringen zu können.

Natürlich interessiere ich mich auch weiterhin für die Blaulicht- und Sicherheitsbubble. Ehrenamtlich aktiv und/oder fördernd bleibe ich Feuerwehr, DRK, BDV e.V., Veteranenkultur e.V. und Co. weiterhin erhalten. 🚒 🎗




Mittwoch, 9. Dezember 2020

Digitalisierung im Bevölkerungsschutz


Ich nahm heute am Symposium für Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ) des beta-Verlags (u.a. Fachmagazin Crisis Prevention, Wehrmedizin&Wehrpharmazie) teil - coronabedingt ein rein virtuelles Seminar, allerdings mit hochkarätigen Rednern aus Bundeswehr (u.a. Generalarzt Dr. Bruno Most, Oberstarzt PD Dr. Kai Kehe, Generalstabsarzt Dr. Hans-Ulrich Holtherm), DRK (Generalsekretär Christian Reuter, Dr. Johannes Richert, Frank Joerres) und einigen weiteren Rednern aus den Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben.

Den Nagel auf den Kopf traf Giulio Gullotta, Abteilungsleiter Wissenschaft und Technik im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mit dieser Fragestellung: "Zivilschutz 1.0" vs "Bedrohung 2020 ff.“ - Passt das Werkzeug zum Problem? Er spannte den Bogen über die heutigen asymmetrischen Bedrohungslagen bis hin zu Pandemien und Co. und stellte resümierend fest, dass wir durchaus noch Aufholbedarf in Organisation und Struktur haben.

Genau diese Fragestellung ist meiner Wahrnehmung nach auch in meiner Branche im Kontext polizeiliche/nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr, Bevölkerungs- und Katastrophenschutz, Brandschutz usw. nach wie vor präsent: Warum versuchen wir immer noch, den heutigen Herausforderungen einer schnelllebigen und globalisierten Welt mit Techniken und Führungsmitteln des kalten Krieges zu begegnen? Nach wir vor höre ich oft von altgedienten Führungskräften: "Papier und Kugelschreiber ist ausfallsicher, funktioniert immer!“ Das ist zweifellos richtig - dennoch schreibe ich heute meine Briefe am PC und nur im Ausnahmefall von Hand. Die Digitalisierung im Bevölkerungsschutz, der "Katastrophenschutz 4.0" scheitert vielerorts weniger an den technischen Möglichkeiten, wobei ich natürlich nicht verhehlen will, dass die Regierung hier in der Pflicht ist, uns ins Gigabit-Zeitalter zu führen. Vielmehr scheitert es oft am Widerstand von im Rahmen der kommunalen Selbstverantwortung vor Ort verantwortlichen Traditionswächter: „Hammer schon immer so gemacht, machmer auch weiter so!“ 

Sicher muss man über die Ausfallsicherheit von Kugelschreiber und Papier nicht diskutieren - wohl aber über die Ausfallwahrscheinlichkeit einer vernünftig gepflegten, resilienten Software und modernen IT-Infrastruktur und deren Redundanzen. Sicher macht es als Grundlage Sinn, den „Vierfachvordruck“, die handgezeichneten Lageskizzen und Schadenkonten im Rahmen der Führungskräfteausbildung für die Stabsarbeit zu erlernen. Buchhaltung erlernt man schließlich auch auf T-Konten-Blättern und arbeitet danach mit einer Buchungssoftware. Spätestens nach der Ausbildung sollte das Prinzip „Pen&Paper“ aber nur noch als Rückfallebene verstanden werden. Die Informationsbeschaffung für alle Mitglieder einer Einsatzleitung/eines Krisenstabes, die Visualisierung komplexer Szenarien in Verbindung mit Geoinformationssystemen ist mit elektronischer Führungsunterstützung deutlich einfacher oder tatsächlich nur durch diese möglich. Der Führungsvorgang ist heute schneller als es in rein „analogen“ Stäben früher möglich war. Man kommt mit modernen Führungsmitteln schneller von der Chaos-Phase vor die Lage und kann sehr viel schneller agieren anstatt lediglich zu reagieren, sehr viel schneller erhält man die Initiative zurück - und rettet damit gegebenenfalls Leben.

Meine Zeit im Stab des Innenministeriums Baden-Württemberg während der Flüchtlingskrise 2015 hat mich eine Sache gelehrt: Es ist ohne eine vernünftige Stabssoftware mit einer entsprechend revisions- und gerichtssicheren Dokumentation nahezu unmöglich, ein Jahr oder länger danach nachzuvollziehen, aus welchem Grund wann welcher Befehl gegeben wurde, welche Informationen zu diesem Zeitpunkt vorgelegen haben, die Grundlage dieser Entscheidung waren, welche Ressourcen vorhanden waren und wer mit wem wann über welchen Kanal kommuniziert hat. Daraus folgt: Die Digitalisierung im Bevölkerungsschutz schützt im Zweifelsfall den Einsatzleiter bzw. die Mitglieder des Stabes.

Insofern möchte ich die Fragestellung von Herrn Gullotta gerne beantworten: Wir sind auf dem richtigen Weg, die passenden Werkzeuge einzuführen. In die Entscheiderebene wächst allmählich die Generation hinein, die mit digitaler Kommunikation aufgewachsen ist und naturgemäß mit deutlich weniger Vorbehalten die Chancen und Vorteile erkennen.

#TeamDigitalisierung


Dienstag, 31. Juli 2018

Katastrophenschutz - wo drückt der Schuh?


Mit der Umfrage zur „Motivation und Eigenschaften aktiver Ehrenamtlicher des Katastrophen- und Bevölkerungsschutzes“ haben Christiane Stephan, Jan Bäumer, Celia Norf und Prof. Dr. Alexander Fekete vom Institut für Rettungsingenieurwesen und Gefahrenabwehr der TH Köln verschiedene Fragestellungen beleuchtet. So finden sich im Ergebnisbericht detaillierte demographische Strukturen, die Grundlage der Motivation und vieles mehr. Der gesamte Bericht ist hier nachzulesen.

Auch wurde während der Befragung ein Augenmerk auf etwaige Verbesserungsbedarfe in den Organisationen gelegt. Es mag nun wenig überraschen, dass 83% der Befragten auf die Frage, ob es in ihren Organisationen besser laufen könnte, mit „ja“ antworteten und auf den ersten beiden Plätzen mit zwölf und zehn Prozent die Öffentlichkeitsarbeit und Helfergewinnung der Organisationen sowie die Anerkennung und Wertschätzung der Bevölkerung genannt werden.



Direkt auf Platz drei kommt der Wunsch nach materiellen und finanziellen Investitionen. Das überrascht nun auch nicht wirklich, erfahren doch Schlagworte und Aktionen wie #BerlinBrennt Sympathiebekundungen quer durch alle am Bevölkerungs- und Katastrophenschutz beteiligten Organisationen.

Nach wie vor fehlt bei den politischen und administrativen Entscheidungsträgern der Wille zu notwendigen Investitionen. Wir erfahren das im eigenen Bereich immer wieder, so formulierte ich im vergangenen Jahr in einem Fachartikel bereits:
„Während einzelne Behörden, Feuerwehren und Hilfsorganisationen sich bereits punktuell oder auch in der Fläche Softwaresysteme zur Einsatzführungsunterstützung beschafft haben und mit Erfolg einsetzen, scheitert es in anderen Bereichen entweder am Widerstand örtlicher Traditionswächter oder an unklaren Zuständig- und Verantwortlichkeiten. So werden von einzelnen Bundesländern die Beschaffung von Einsatzleitwagen für den Katastrophenschutz explizit ohne Führungssoftware ausgeschrieben – obwohl entsprechend leistungsstarke EDV-Ausstattung verlastet ist und in den Einsatz gebracht wird. Die Verantwortung für die Beschaffung der Software, der entsprechenden Schulung der Mitarbeitenden und somit der gesamte finanzielle Aufwand wird an den Landkreis oder an die fahrzeugbetreibende Hilfsorganisation weitergegeben.“

Auch die Basis ist sich dieser Problematiken bewusst, wie man anhand der Umfrage sehen kann. Der Katastrophen- und Bevölkerungsschutz darf nicht kaputt gespart werden – bei fehlenden Investitionen werden ehrenamtlich Tätige über kurz oder lang ihr Engagement zurückfahren und schlussendlich irgendwann niederlegen.





Da bleibt dann nur noch die alte Weisheit: Sowas kommt von sowas...