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Samstag, 18. Mai 2013

Inferno - Dan Brown

Der vierte Band nach Illuminati, Sakrileg und das verlorene Symbol um den Hauptprotagonisten Robert Langdon entführt uns in das Reich von Dantes göttlicher Komödie. In die neun Kreise der Hölle, in die Welt der sieben Todsünden, des Fegefeuers und des schwarzen Todes. Nach Florenz und nach Venedig - wer die Städte kennt, wird durch die Atmosphäre des Romans eingefangen. 

Ich möchte nicht all zuviel über den Inhalt verraten, da das Buch ja erst vorgestern erschienen ist. Im Gegensatz zu den ersten drei Büchern mit eher kirchlichem Hintergrund bzw. mit Geheimbünden und ähnlichem konfrontiert uns Dan Brown dieses mal mit einer ethischen Frage: Können wir es uns in Zeiten zunehmender Weltüberbevölkerung überhaupt noch leisten, gegen Seuchen, Pandemien und Naturkatastrophen vorzugehen? Was ist wahrer Humanismus - der zum Scheitern verurteilte Versuch jedes Individuum zu retten oder die menschliche Spezies als solches?

Brown hätte aus dieser Thematik sicher mehr herausholen können und ist vom wissenschaftlichen Standpunkt her nicht ganz up to date. Dennoch ein solider Thriller mit gutem Unterhaltungswert und einigen leider zu vorhersehbaren Wendungen. An Illuminati und Sakrileg reicht das Buch nicht heran, das verlorene Symbol schlägt es aber um Längen. 

Drei von fünf Eselsohren  


Donnerstag, 11. April 2013

Vom Wesen der Autorität

“Die wohlfeilste Art der Autorität hingegen ist die Amtsautorität. Denn sie verrät in dem alleinig damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften - Moral, Intellekt, Stärke und Größe - auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er per Zufall, Wahl oder Regelbeförderung erhalten hat. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die eigenen Fehler am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, worauf sich seine Autorität begründen könnte, ergreift das letzte Mittel, das Amt oder die Position, die er gerade inne hat, um Respekt einzufordern. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihm zu eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.”

Frei nach Schopenhauer, ursprünglich zum Thema Nationalstolz.

Samstag, 31. Dezember 2011

Review 2011/Lookout 2012

Vor einem Jahr habe ich Ziele für 2011 definiert.

1. Ziel: Fachwirtprüfung ablegen. Dieses Ziel wurde zur Gänze erreicht. Ich habe das Fernstudium beendet und die IHK-Prüfung erfolgreich hinter mich gebracht.

2. Ziel: Mindestens 300 km dokumentiert wandern/laufen. Hier lasse ich Runtastic sprechen, über dieses Portal habe ich die Strecken geloggt: 


3. Ziel: Gewicht um 20% reduzieren: Failed. Das war dann doch zu viel, es waren dann doch "nur" 15%.

Nun, wenn auch knapp daneben, ich habe das Ziel verfehlt. Das iPad wird noch warten müssen.

Ich sagte vor einigen Tagen zu einem Freund, dass ich das vergangene Jahr gerne vollständig aus dem Kalender streichen würde. Das ist so natürlich Unsinn, trotzdem führt es im Ranking der "Worst-years-ever" mit Abstand. Ich habe in diesem Jahr erleben müssen, wie sich nahe geglaubte Menschen in Zeiten der Not von einem abwenden. Ich habe schmerzlich gelernt, was Verlust bedeutet. Aber ich habe ebenso erfahren dürfen, was es bedeutet, Freunde zu haben. Ich habe Anteilnahme und Mitgefühl erleben dürfen. All den Menschen, die dieses Jahr zu uns gestanden haben, bin ich in tiefer Dankbarkeit verbunden. Mein ganz persönliches Fazit für 2011: "Lippenbekenntnisse offenbaren sich in Zeiten der Not; wahre Liebe und Freundschaft werden bewiesen."


Welche Ziele habe ich nun für 2012?

Ziel 1: Der Dauerbrenner: Gewichtsverlust um weitere 10%.
Ziel 2: Das Wandern ist des Vetters Lust... Eigentlich nicht wirklich, aber dennoch nehme ich mir für 2012 200 km vor.
Ziel 3: Veränderung. Schwer quantifizierbar ist der Grad der persönlichen Zufriedenheit. Dennoch möchte ich in 2012 Veränderungen herbeiführen, die diesen Grad steigern. 

Mit erreichen des Ziels stelle ich mir ein McBook in Aussicht ;-)

Abschließen möchte ich dieses Jahr mit einem Zitat von Erich Kästner:

"Wird's besser? Wird's schlimmer?" fragt man alljährlich.
Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich!




Donnerstag, 16. Dezember 2010

Ausländer raus!

Es war einmal – etwa drei Tage vor Weihnachten – spätabends. Über den Marktplatz der Stadt kamen ein paar Männer gezogen. Sie blieben an der Kirche stehen und sprühten auf die Mauer „Ausländer raus“ und „Deutschland den Deutschen“. Steine flogen in den türkischen Dönerladen gegenüber der Kirche. Dann zog die Horde weiter. Gespenstische Ruhe. Die Gardinen an den Bürgerhäusern waren ganz schnell wieder zugezogen. Niemand hatte etwas gesehen.

„So, jetzt reicht es uns aber! Wir gehen!“ „Wo denkst du hin? Was willst du da unten im Süden? Da ist es für uns viel zu gefährlich!“ „Lieber zu Hause sterben als in diesem Land, wo wir gehasst werden, stets und ständig Angst haben. Wir tun jetzt, was da an der Wand steht: Ausländer raus!“

Und tatsächlich – mitten in der Nacht kam Bewegung in die Stadt. Die Türen in den Geschäften sprangen auf.

Zuerst kamen die Kakaopäckchen, die Schokoladen und Pralinen in ihren Weihnachtsverkleidungen. Sie machten sich auf den Weg in Richtung Elfenbeinküste und Ghana, wo sie zu Hause waren.

Dann der Kaffee, der Deutschen Lieblingsgetränk – säckeweise rollten sie nach Uganda, Kenia, Kolumbien und Guatemala, wo sie in der warmen Sonne herangereift waren.

Ananas und Bananen; ebenso Trauben und Erdbeeren aus Südafrika; fast alle Weihnachtsleckereien brachen auf und machten sich auf den Weg in ihre Herkunftsländer: Pfeffernüsse, Spekulatius und Zimtsterne zerfielen in sich, weil die Gewürze in ihrem Inneren sich herauslösten und nach Indien zurückkehrten.

Der Verkehr brach zusammen. Lange Schlangen japanischer Autos, voll gestopft mit Optik und Unterhaltungselektronik krochen der aufgehenden Sonne entgegen.

Am Himmel sah man Weihnachtsgänse gen Polen ziehen; auf ihrer Bahn gefolgt von feinen Seidenhemden und den herrlichen Teppichen des fernen Asien.

Mit Krachen lösten sich die Tropenhölzer aus den Möbeln und schwirrten in das Amazonasbecken.

Man musste sich höllisch vorsehen, um nicht auszurutschen, denn von überall her quoll Erdöl hervor; ihre Rinnsale bildeten Bäche und schwollen schließlich zu Strömen an, die in alle Himmelsrichtungen flossen. Dass sich sehr viele Straßen auflösten, weil sich der ausländische Asphalt zurückzog, fiel kaum auf, denn die Autos waren schnell wertlos geworden. Sie lösten sich in ihre Einzelteile auf. Das Aluminium wanderte nach Jamaica, das Kupfer nach Chile und Westafrika; ein Drittel der Eisenteile nach Brasilien. Das Naturkautschuk war zunächst verwirrt, denn seine Heimat Zaire hatte sich inzwischen einen neuen Namen gegeben und heißt jetzt Demokratische Republik Kongo.

Nach drei Tagen war der Spuk vorbei. Der Auszug war geschafft – gerade rechtzeitig zum Weihnachtsfest. Nichts Ausländisches gab es mehr in diesem Land. Doch Tannenbäume und Äpfel und Nüsse waren noch reichlich vorhanden. Mit Extragenehmigung durfte sogar noch „Stille Nacht“ gesungen werden, es kam immerhin aus Österreich.

Nur eines wollte nicht ins Bild passen: Maria und Josef mit ihrem Kind waren geblieben – ausgerechnet drei Juden. „Wir bleiben“, sagte Maria. „Wenn wir auch gehen – wer soll ihnen den Weg zurück zeigen, zurück zu Vernunft und Menschlichkeit?“

Autor unbekannt. Wer aber auch immer diese Weihnachtsgeschichte geschrieben hat, diesem Menschen gilt meine uneingeschränkte Hochachtung.
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