Russland bereitet sich auf Krieg vor.Wir glauben es immer noch nicht.
Aufwachen, Dornröschen:
Russland ist keine theoretische Gefahr, sondern eine konkrete, greifbare und militärisch vorbereitete Bedrohung. Putin hat längst begonnen, die Ordnung Europas zu destabilisieren – nicht rhetorisch, sondern hybrid mit Panzern, Raketen, Propaganda, Cyberattacken und strategischer Vorbereitung.
Geheimdienste warnen: Ab 2026 könnte Russland bereit sein, NATO-Staaten direkt anzugreifen – mit Zielrichtung Baltikum und Finnland (1), (2), (3). Diese Warnungen kommen nicht von Alarmisten, sondern aus professionellen Lagezentren. Russland hat seine Wirtschaft auf vollständig Kriegsproduktion umgestellt. Und wir?
Wir machen Haushaltsdebatten und in den Koalitionsverhandlungen derart viele „Nebenkriegsschauplätze“ auf, dass wir die Gefahr aus den Augen verlieren. Dabei läuft uns die Zeit davon.
Europa müsste im Ernstfall 300.000 Soldaten aufstellen, um sich ohne US-Unterstützung gegen Russland verteidigen zu können (4). Deutschland könnte diesen Beitrag derzeit nicht leisten – weder personell, materiell, noch mental.
Dänemark zieht Konsequenzen und weitet die Wehrpflicht auf Frauen aus (5). Finnland steht seit Jahren bereit – mit einer strukturierten Reserve, funktionierender Ausbildung und einem klaren Verständnis von Wehrhaftigkeit.
Und 🇩🇪?
Wir haben weder eine Dienstpflicht, noch ein schlüssiges Konzept zur Einbindung der Zivilgesellschaft in die gesamtstaatliche Verteidigung - geschweige denn einen gesellschaftlichen Konsens über die reale Bedrohungslage. Wird schon nicht so schlimm werden… Man wähnt die Migration als die größte Gefahr. Dass es an allen Ecken und Enden klemmt, wird nur zu gerne verdrängt.
Dabei ist auch der Bevölkerungsschutz in gefährlichem Zustand: Die Hilfsorganisationen fordern mehr Schutz für Ehrenamtliche, bessere Ausstattung, rechtliche Klarheit, klare Führungsstrukturen (6).
Die vfdb warnt: Der Zivil- und Bevölkerungsschutz sei über Jahre hinweg ein Stiefkind der Politik gewesen. Nicht nur auf die geeigneten Einsatzmittel kommt es an, so Aschenbrenner. Der Bevölkerungsschutz und Selbsthilfefähigkeit müssen bereits in den Schulunterricht. (7).
Wer jetzt zögert, gefährdet unser Land.
Russland zögert nicht. Russland plant, rüstet und provoziert.
Wer glaubt, Frieden könne man erhalten ohne eine gesamtgesellschaftliche Verteidigungsfähigkeit, militärisch UND zivil, irrt gefährlich.
Als Einsatzveteran der Bundeswehr gehöre ich sicher zu den größten Pazifisten überhaupt. Aber ich weiß, dass man Frieden gegenüber potenziellen Aggressoren nur aus einer Position der Stärke heraus erhalten kann. Wenn man diese nicht hat und als vermeintlich leichte Beute angesehen wird… Nun, die Geschichte lehrt uns die Folgen.
Wir brauchen eine Wehr-/ bzw. Dienstpflicht.
Wir brauchen ein umfassendes nationales Sicherheitskonzept.
Und wir brauchen den Mut, unangenehme Wahrheiten auszusprechen – bevor uns die Realität überrollt.
Quellen:
(1) https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/russland-bedrohung-nato-100.html
(2) https://www.fr.de/politik/krieg-geheimdienst-analyse-regierungskreise-wladimir-putin-angriff-nato-2026-russland-92891399.html
(3) https://www.deutschlandfunk.de/russland-nato-kriegsgefahr-100.html
(4) https://www.ifw-kiel.de/de/publikationen/aktuelles/europa-muesste-300000-soldaten-mobilisieren-um-sich-ohne-die-usa-gegen-russland-zu-verteidigen/
(5) https://www.focus.de/politik/deutschland/angespannte-sicherheitslage-wehrpflicht-auch-fuer-frauen-was-deutschland-sich-von-daenemark-abschauen-kann_id_260764502.html
(6) https://www.drk.de/presse/pressemitteilungen/meldung/gemeinsame-pressemitteilung-fuer-ein-krisenfestes-deutschland-hilfsorganisationen-fordern-besseren-bevoelkerungsschutz/
(7) https://www.presseportal.de/pm/126597/5984161
Björn Vetter - privater Blog: Politik - Vaihingen - Kommunales - Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) - Bevölkerungsschutz - Bundeswehr - Sozial- und Gesundheitswesen - Social Media - BWL - Marketing - EinsatzVeteran - Segelfliegen - Motto: Proud to be a nerd! Gebloggt wird, was bewegt.
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Mittwoch, 2. April 2025
Freitag, 29. Dezember 2023
Einsatzveteran und Zivilberuf - mein roter Faden 🫡
Ich war 1998/1999 als 21jähriger Soldat im Rahmen von SFOR in Sarajevo als Rettungssanitäter in der MedEvac-Kompanie des Sanitätseinsatzverbands eingesetzt. Auch wenn der Balkankrieg offiziell vorbei war, wurde man unmittelbar mit dem Leid der Bevölkerung und den allgegenwärtigen Spuren der langen Belagerung konfrontiert.
2000 war ich im Kosovo (KFOR, Prizren) eingesetzt, zunächst als S6-Feldwebel im Stab des Sanitätseinsatzbataillons, danach erneut in der MedEvac. Ein gänzlich anderer Einsatz als in Bosnien, angefangen bei der Gefährdungslage bis hin zum Auftrag.
𝗟𝗲𝘀𝘀𝗼𝗻𝘀 𝗹𝗲𝗮𝗿𝗻𝗲𝗱 𝗶𝗻 𝗱𝗶𝗲𝘀𝗲𝗿 𝗭𝗲𝗶𝘁:
Teamwork und schnelle Entscheidungsfindung:Als Rettungssanitäter in der MedEvac-Einheit habe ich gelernt, wie entscheidend Teamarbeit und schnelle Entscheidungen sind, vor allem unter hohem Druck.
Information und Kommunikation:Als S6-Feldwebel im Kosovo erkannte ich die Wichtigkeit effizienter Kommunikation und Informationsmanagement sowie redundanter und resilienter IT und die Bedeutung der Digitalisierung als Gesamtstrategie. Parallelen zu meiner heutigen Tätigkeit im Krisenmanagement und Softwarelösungen für Stäbe sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Flexibilität und Anpassungsfähigkeit:Der Kosovo lehrte mich, wie wichtig Flexibilität und Anpassungsfähigkeit in unsicheren Umgebungen und dynamischen Lagen sind.
Leadership und Support:Die Einsatzzeit prägte meine Vorstellung von Leadership, von klaren Zielen bis hin zu Support von und für Kameraden/Kollegen in herausfordernden Zeiten.
Pragmatismus:Die Erfahrungen in Bosnien und dem Kosovo lehrten mich, pragmatisch mit Herausforderungen umzugehen und den Unterschied zwischen Vorschriftenlage den Buchstaben nach und dem tatsächlichen Sinn dahinter zu verstehen. Es gibt immer einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis - das zu akzeptieren ist der erste Schritt in Richtung lösungsorientierten Handelns.
Rückblickend lässt sich durch meine Zeit im Militär ein roter Faden bis heute erkennen. Nach der Bundeswehr zunächst Ausbildung zum Rettungsassistenten, anschließend Rettungsdienst und ehrenamtlich Katastrophenschutz, Qualifizierung bis zum Verbandsführer, Abteilungsleitung Rotkreuzdienste und organisatorischer Leiter Rettungsdienst auf Kreis- und anschließend Referatsleitung internationale Soforthilfe, Erste-Hilfe-Programme und Bereitschaften auf Landesebene des DRK und Instruktor für Führungskräftequalifizierung an der DRK-Landesschule, mehrere Monate Abordnung in den Stab des Innenministeriums während der Flüchtlingskrise 2015 und nun beruflich tätig für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben und deren Digitalisierung in Sachen Führung und Stabsarbeit und ehrenamtliche Tätigkeit in der Feuerwehr.
Montag, 17. Oktober 2022
Bundeswehr - Reserve hat Ruh
Im Dezember 2021 bewarb ich mich um eine Stelle als Reservefeldwebel für das Kreisverbindungskommando beworben.
Nach viel - wirklich sehr viel Papierkrieg inklusive Beglaubigung diverser Zeugnisse, einem Empfehlungsschreiben durch das Innenministerium und vielem mehr war es dann am 1. Juni soweit - ich wurde gemustert. Mit 44. Das volle Programm...
Manche Dinge ändern sich nie (Musterungsärzte), andere hingegen schon.
Der CAT-Test hat mich mal kurz an meine Grenzen geführt. Deutsch, Mathe, Mechanik, Englisch, Wissen - kein Thema. Ich dachte aber immer, Logik (wie muss das fehlende Symbol aussehen) sei mein Steckenpferd, aber da haben mich 1/3 der Aufgaben ins Schwitzen gebracht. Über den Reaktionstest mit den blauen und roten Pfeilen reden wir besser nicht.
Ich weiß, ich weiß, ich reite auf der Arthrose im Knie herum. Warum? Weil es mich frustriert. Nochmals zusammengefasst: Mit Mitte 40 soll eine Arthrose ja vorkommen können, da ist kein Knie mehr wirklich jungfräulich... Aber ein Knie, das noch problemlos in der Lage ist, regelmäßige Bergtouren im alpinen Gelände zu überstehen - mit einem grundsätzlichen Fitnesslevel einhergehend, der höher ist als zu meiner aktiven Zeit als Zeitsoldat. Zugegeben, Halbmarathon laufe ich heute nicht mehr, aber wenn ich mir dann noch überlege, was für altgediente Reservisten wir weiland mit nach SFOR und KFOR nahmen, teilweise Mitte 60 aufwärts... Ich möchte kein "Luftlandekampfsani" sein, aber ich wage zu behaupten, für den Dienst in einem Sanitätsverband, Feldhospital, Stab etc. bin ich durchaus geeignet.
Nach viel - wirklich sehr viel Papierkrieg inklusive Beglaubigung diverser Zeugnisse, einem Empfehlungsschreiben durch das Innenministerium und vielem mehr war es dann am 1. Juni soweit - ich wurde gemustert. Mit 44. Das volle Programm...
Manche Dinge ändern sich nie (Musterungsärzte), andere hingegen schon.
Der CAT-Test hat mich mal kurz an meine Grenzen geführt. Deutsch, Mathe, Mechanik, Englisch, Wissen - kein Thema. Ich dachte aber immer, Logik (wie muss das fehlende Symbol aussehen) sei mein Steckenpferd, aber da haben mich 1/3 der Aufgaben ins Schwitzen gebracht. Über den Reaktionstest mit den blauen und roten Pfeilen reden wir besser nicht.
Es war eine interessante Erfahrung. Auch das Prüfgespräch mit dem Truppenpsychologen.
Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein orthopädisches Konsil (ja, mit Mitte 40 können Knie auch mal Ärger machen, wenn einem vor 25 Jahren bei der Bundeswehr ein Meniskus abhanden kommt…), dann stünde einer Reservistenkarriere nichts mehr im Weg.
Wofür das alles? Ich wollte die derzeit vakante Stelle des Verbindungsfeldwebels Sanitätsdienst im Kreisverbindungskommando des Landkreises übernehmen, um im Katastrophenfall die zivil-militärische Zusammenarbeit zwischen Bevölkerungsschutz (DRK, Feuerwehr usw.) und der Bundeswehr zu koordinieren. Meine Erfahrung im Katastrophenschutz sinnvoll weiterhin einbringen.
Ich war in der Folge dieser Musterung beim Orthopäden. Der bescheinigte mir, dass mein Knie durch den fehlenden Meniskus (übrigens, falls ich es noch nicht erwähnt habe: bei der Bundeswehr kaputt gegangen...) angegriffen sei, aber dass ich allgemein einen guten Zustand habe, noch Bergsteigen gehe und das Knie derzeit beschwerdefrei sei.
Nun, Mitte August hatte ich es dann offiziell: Ich bin "untauglich". Mir wurde seitens des Karrierecenter erläutert, dass die Vorschriftenlage seit dem letzten Jahr besagt, dass auch für einen Laufbahnwechsel in der Reserve zwingend "tauglich 1 oder 2" vorliegen muss, es müssen also die selben Voraussetzungen wie bei neu einzustellenden Berufssoldaten vorliegen. Es wurde seitens des Karrierecenters gegenüber dem BAPersBW argumentiert, dass der für mich vorgeschlagene Dienstposten auch problemlos mit D3 ausgefüllt werden kann - aber offensichtlich: Vorschrift ist Vorschrift und Ausnahmen gibt es keine. Es sei denn, ich würde einen Bundeswehrarzt finden, der mich entsprechend tauglich klassifiziert.
Ich war in der Folge dieser Musterung beim Orthopäden. Der bescheinigte mir, dass mein Knie durch den fehlenden Meniskus (übrigens, falls ich es noch nicht erwähnt habe: bei der Bundeswehr kaputt gegangen...) angegriffen sei, aber dass ich allgemein einen guten Zustand habe, noch Bergsteigen gehe und das Knie derzeit beschwerdefrei sei.
Nun, Mitte August hatte ich es dann offiziell: Ich bin "untauglich". Mir wurde seitens des Karrierecenter erläutert, dass die Vorschriftenlage seit dem letzten Jahr besagt, dass auch für einen Laufbahnwechsel in der Reserve zwingend "tauglich 1 oder 2" vorliegen muss, es müssen also die selben Voraussetzungen wie bei neu einzustellenden Berufssoldaten vorliegen. Es wurde seitens des Karrierecenters gegenüber dem BAPersBW argumentiert, dass der für mich vorgeschlagene Dienstposten auch problemlos mit D3 ausgefüllt werden kann - aber offensichtlich: Vorschrift ist Vorschrift und Ausnahmen gibt es keine. Es sei denn, ich würde einen Bundeswehrarzt finden, der mich entsprechend tauglich klassifiziert.
Ich weiß, ich weiß, ich reite auf der Arthrose im Knie herum. Warum? Weil es mich frustriert. Nochmals zusammengefasst: Mit Mitte 40 soll eine Arthrose ja vorkommen können, da ist kein Knie mehr wirklich jungfräulich... Aber ein Knie, das noch problemlos in der Lage ist, regelmäßige Bergtouren im alpinen Gelände zu überstehen - mit einem grundsätzlichen Fitnesslevel einhergehend, der höher ist als zu meiner aktiven Zeit als Zeitsoldat. Zugegeben, Halbmarathon laufe ich heute nicht mehr, aber wenn ich mir dann noch überlege, was für altgediente Reservisten wir weiland mit nach SFOR und KFOR nahmen, teilweise Mitte 60 aufwärts... Ich möchte kein "Luftlandekampfsani" sein, aber ich wage zu behaupten, für den Dienst in einem Sanitätsverband, Feldhospital, Stab etc. bin ich durchaus geeignet.
Kommiß kommt eben doch von komisch.
Ach ja, im September bekam ich einen Anruf aus Koblenz - ob ich Interesse an einer Wehrübung hätte. Ich habe auf das Telefonat mit dem Karrierecenter verwiesen und darum gebeten, erst einmal die Akten zu pflegen. Schriftlich habe ich das ganze bis heute nicht. Interesse und Lust hätte ich nach wie vor, aber die Bundeswehr scheint sich derzeit selbst im Weg zu stehen.
Ach ja, im September bekam ich einen Anruf aus Koblenz - ob ich Interesse an einer Wehrübung hätte. Ich habe auf das Telefonat mit dem Karrierecenter verwiesen und darum gebeten, erst einmal die Akten zu pflegen. Schriftlich habe ich das ganze bis heute nicht. Interesse und Lust hätte ich nach wie vor, aber die Bundeswehr scheint sich derzeit selbst im Weg zu stehen.
Samstag, 5. März 2022
Stell Dir vor, es ist Krieg...
Vermehrt liest man in letzter Zeit in den sozialen Medien immer wieder Statements wie die in den Screenshots - mit vergleichsweise hohen Zustimmungswerten. Reinhard May mit den Söhnen, die er nicht geben will, wird mir auch immer wieder in die Timeline gespült.
So sehr ich den pazifistischen Wunsch verstehen kann, so sehr ich nachvollziehen kann, überhaupt keine Lust auf Dienst an der Waffe zu haben, so fällt mir dazu schlussendlich dann doch nur dieses Zitat ein:
»» Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin. Dann kommt der Krieg zu Euch!
Wer zu Hause bleibt, wenn der Kampf beginnt, und läßt andere kämpfen für seine Sache, der muß sich vorsehen: Denn wer den Kampf nicht geteilt hat, der wird teilen die Niederlage. Nicht einmal Kampf vermeidet, wer den Kampf vermeiden will, denn er wird kämpfen für die Sache des Feindes, wer für seine eigene Sache nicht gekämpft hat.««
Auch wenn tatsächlich die ersten beiden Sätze nicht von Brecht stammen, so macht dies die Aussage des Gesamttextes nicht weniger wahr und richtig. Es gibt Situationen, in denen Diplomatie versagt. Es gibt Momente, in denen wegschauen keine Option ist. Es gibt Szenarien, in denen das einzige Mittel zum verhindern von Schlimmerem Gewalt ist. Es ist gut und wichtig, Solidarität zu bekunden und in den Fußgängerzonen zum Frieden aufzurufen. Aber kein Despot in den letzten Dekaden wie z.B. auf dem Balkan, kein Kriegsverbrecher ließ sich davon beeindrucken oder gar aufhalten, Greueltaten wie Srebrenica wurden dadurch nicht verhindert.
Für mich stellt sich die Frage nicht, ob ich im worst case wieder Flecktarn tragen und Menschen verteidigen würde. Die jetzt wieder neu entfachte Debatte um eine allgemeine Dienstpflicht halte ich für gut und wichtig. Schlussendlich muss sich jeder selbst fragen, ob er es mit sich vereinbaren kann, wegzuschauen oder ob er (und auch sie!) sich nicht doch lieber für die Gesellschaft einsetzt. Putin hat Europa aus dem Dornröschenschlaf gerissen.
So viel ist allerdings sicher: Am Ende des Tages ist der Soldat der größte Pazifist überhaupt.
Sonntag, 15. August 2021
Afghanische Tragödie
Als Einsatzveteran der Bundeswehr, wenn auch nicht in Afghanistan sondern in Bosnien und dem Kosovo, kann ich den nachfolgenden Passagen aus einem Kommentar von Ulrich Ammon nur zustimmen.
»Afghanische Tragödie.
Beschämend für Deutschland
In diesen Stunden, in denen die Taliban-Milizen Marsar-i-Sharif (460.000 Ew) eingenommen haben und weiter schnell vorstoßen, offenbart sich die ganze sicherheitspolitische Inkompetenz und Feigheit unserer Regierung und der Parlamentsmehrheit. Als ich gerade erfuhr, dass Marsar-i-Sharif in die Hände der Taliban gefallen ist, schossen mir die 59 toten Bundeswehrkameraden, viele hundert körperlich und seelisch Geschädigte, aber auch die tausende, bald Millionen von hilflosen Afghanen, vor allem Frauen durch Kopf. Und von den ehemaligen Bundeswehrhelfer:innen sind auch noch bei weitem nicht alle in Sicherheit. Menschlichkeit, Mut, rechtzeitige Planung einer Exit-Strategie - Fehlanzeige!
(…) Die Pfarrerstochter aus Meck-Pom und der SPD-"Friedensforscher"-Fraktionsvorsitzende Mützenich machen (Un-)Sicherheitspolitik, obwohl sie das beide offensichtlich nicht können. Und Ministerinnen ohne Vorkenntnisse sind für die Bundeswehr zuständig, wobei die jetzige ja noch sehr bemüht ist. Der Innenminister Seehofer blockierte vor Wochen eine unbürokratische schnelle Aufnahme von afghanischen Helfer:innen. Menschlichkeit war offenbar keine Leitgröße. Und nun kommt es wahrscheinlich zu dem notwendigen, aber irrwitzigen Einsatz, mit Militär kurfristig nach Afghanistan zurück zu müssen, um Menschen rauszuholen, die man ohne zusätzliches Risiko vor ein paar Wochen hätte mitnehmen können und müssen. Und was jetzt aus Millionen Afghanen wird, allen Gebildeten, allen Frauen und Mädchen, mußte man da jetzt Hals über Kopf ohne Exit-Konzept abziehen, weil wir als Zivilgesellschaft zu feige und für eine angemessene Ausstattung der Bundeswehr zu geizig sind? Europa hätte mit gutem Willen mehr leisten können und müssen. Es ist eine Schande, was wir uns da leisten. (…) Ich drücke allen, die für die Evakuierungsaktion nochmal hinmüssen, und allen afghanischen Helfer:innen die Daumen, dass sie alle heil hier ankommen. Sie sollen uns alle willkommen sein.«
Ergänzend: Es sind sicher weit mehr als nur hunderte Versehrte, die Anzahl derer mit PTBS bei den weit über 400.000 Einsatzveteraninnen und -veteranen über alle Auslandseinsätze der Bundeswehr dürfte - auch wenn es nach wie vor keine Statistik gibt - deutlich höher sein. Einer der Gründe, warum ich den Bund Deutscher EinsatzVeteranen e.V. unterstütze.
Bei den Kameradinnen und Kameraden, die an ISAF teilgenommen haben, stellt sich nun erst recht die Sinnfrage. Auch wenn man philosophisch argumentieren mag, dass wenigstens die letzten 20 Jahre Jungen und Mädchen in relativem Frieden aufwuchsen, Bildung erhielten, Infrastrukturprojekte durch uns verwirklicht wurden: Die Tatsache, dass die Talibs das Land ohne nennenswerte Gegenwehr zurückerobern konnten, hinterlässt die Frage, warum man Milliarden von Devisen ins Land, in die Ausbildung der regulären Truppen und in Ausrüstung, die nun dem Steinzeitislamismus in die Hände fällt, gesteckt hat. Wie habe ich vorhin so treffend gelesen? Das Experiment der Verteidigung unserer Demokratie am Hindukusch ist mit dem Abzug der internationalen Truppen grandios gescheitert. Meiner Ansicht nach war der Einsatz bzw. die Einsätze richtig, der konzeptionslose Abzug war es nicht und stellt alles in Frage.
Ein Trauerspiel.
Eine Schande.
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