“Die wohlfeilste Art der Autorität hingegen ist die Amtsautorität. Denn sie verrät in dem alleinig damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften - Moral, Intellekt, Stärke und Größe - auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er per Zufall, Wahl oder Regelbeförderung erhalten hat. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die eigenen Fehler am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, worauf sich seine Autorität begründen könnte, ergreift das letzte Mittel, das Amt oder die Position, die er gerade inne hat, um Respekt einzufordern. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihm zu eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.”
Frei nach Schopenhauer, ursprünglich zum Thema Nationalstolz.
Björn Vetter - privater Blog: Politik - Vaihingen - Kommunales - Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) - Bevölkerungsschutz - Bundeswehr - Sozial- und Gesundheitswesen - Social Media - BWL - Marketing - EinsatzVeteran - Segelfliegen - Motto: Proud to be a nerd! Gebloggt wird, was bewegt.
Donnerstag, 11. April 2013
Sonntag, 7. April 2013
Akif Pirinçci - von Felidae zum offenen Rassismus
Wer kennt die Romane um den samtpfotigen Detektiv Francis und seinen menschlichen Dosenöffner? Felidae - Der Durchbruch des türkischstämmigen Autoren Akif Pirinçci kam 1989 und war der Grundstein für weitere Katzendetektivromane. Wäre er doch bloß dabei geblieben...
Leider fühlt sich der Autor seit 2012 bemüßigt, an Henryk Broders Blog "Die Achse des Guten" mitzuwirken. Broder, der in jeder kritischen Bemerkung über Israel Antisemitismus witternd Zeter und Mordio schreiend schon den Spiegel, die Welt und andere Blätter für seine kruden Thesen missbrauchte. Die proamerikanische und antiislamische Ausrichtung seines Blogs mag nicht weiter verwundern - wohl aber ein Beitrag Pirinçcis vom 25. März 2013 mit dem Titel "Das Abschlachten der Deutschen hat bereits begonnen" Link
Die körperlichen Reaktionen auf diesen Beitrag reichen zu Beginn von einem erheiterten Schmunzeln bis zum Brechreiz, wenn der Autor Gewalt entlang sozio-gesellschaftlicher Spannungslinien zwischen den Kulturen als beginnenden Genozid beschreibt. Man lasse sich folgendes (nach der Einnahme eines Antiemetikums) auf der Zunge zergehen:
Die Tatsache der abnehmenden Straftaten gelassen ignorierend bedient sich Pirinçci jedes negativen Klischees gegenüber muslimischen Mitbürgern. Er belässt es hierbei nicht, nein, er führt noch weiter aus:
Hoppla. Opferzahlen werden geheim gehalten. Kein Wunder, dass er die "immer kürzer werdenden Abstände zwischen den Bestialitäten" nicht weiter belegt. Wie auch, sie werden verschwiegen, aber jeder weiß davon - weiß zumindest Pirinçci auf die fehlenden Belege angesprochen. Vermutlich ein genetisches Kollektivgedächtnis der Deutschen. Es wusste auch jeder, dass die Erde eine Scheibe ist und rothaarige Frauen verbrannt werden müssen. Ungeniert zerrt und rüttelt Pirinçci an den Grundfesten unserer Gesellschaft und wittert eine Verschwörung großen Stils. Unzweifelhaft beteiligt sich sogar die Springerpresse daran, die ansonsten keine Gewalttat in allen schillernden Farben darzustellen weiß und noch nie genüsslich auf den Migrationshintergrund von Straftätern hingewiesen hat. Logisch zu Ende gedacht haben wir nach Pirinçci eine staatliche Zensur. Merkwürdig, dass die Achse des Guten noch online steht...
Dass es sich bei den Übergriffen von Migranten gegenüber Deutschen - selbstredend auch umgekehrt - um ins mediale Rampenlicht (oh, warte! Doch keine Zensur?) gezerrte Einzelfälle handelt, schließt er mit seiner Polemik jedenfalls völlig aus. Auch die Wissenschaft kommt in Pirinçcis Generalabrechnung nicht ungeschoren davon:
Über den Bildungshintergrund des Autoren ist nicht sehr viel herauszufinden. Wie wissenschaftliche Methode in den Sozialwissenschaften funktioniert, davon hat er aber bewiesenermaßen keinen blassen Dunst.
Nun, spätestens jetzt sollte es niemanden weiter verwundern, dass dieser Text in den Netzwerken der Rechten verbreitet und Pirinçci als neuer Star regelrecht gefeiert wird. Wenn sogar ein Türke das über seine Landsleute sagt, dann sind wir ja über den Verdacht rassistischer und volksverhetzender Aussagen erhaben.
Jochen Grabler von Radiobremen nahm Bezug auf den Blog. Link Er zog sich damit den maximalen Unmut Pirinçcis zu, der postwendend in der Achse des Guten antwortete. Das ganze unter dem wohklingenden Titel "Mit mir nicht, Du Vollpfosten!", der offensichtlich eine Nähe zur bildungsfernen Zielgruppe des Artikels konstruieren soll. Link In bewährter Stammtischmanier wird Grabler abgewatscht. Es wird der Eindruck erweckt, dass Pirinçci aufgrund seiner ethnischen Herkunft schließlich wisse, wie der Hase läuft und Grabler
Nun denn, Herr Pirinçci, ich gehe davon aus, dass auch Ihr Machwerk mittels EDV entstanden ist. Und auch wenn Sie den Eindruck erwecken, dass Sie höchstpersönlich mit jedem brennenden Müllcontainer in den sozialen Brennpunkten Deutschlands auf Du und Du sind und Sie durch extrem männlich-markige Sprüche versuchen, besonders authentisch zu wirken, erhärtet folgendes bei reflektiert und differenziert denkenden Menschen nun wirklich nicht Ihre Glaubwürdigkeit.
Und auch Ihre abschließende Floskel sorgt sehr viel mehr für Erheiterung denn für Sorgenfalten auf der Stirn:
Ob's Ihnen schmeckt oder nicht, mit dieser Hetzschrift haben Sie sich endgültig als pseudointellektueller Demagoge aus der tiefbraunen Schublade disqualifiziert und anstatt in Dialog mit der Wissenschaft, mit der Soziologie zu kommen, werden Sie künftig höchstens ihr Untersuchungsgegenstand. In diesem Sinne, genießen Sie Ihre 15 Minuten im Rampenlicht und ziehen Sie Ihre Befriedigung aus dem Sturm der Entrüstung. Schon nächste Woche wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben.
Diejenigen, die vermeintliche Wahrheiten in Pirinçcis Schriften sehen, sollten über folgendes Motto nachdenken:
Man möge Menschen nach ihren Taten und Einstellungen bewerten und nicht aufgrund ethnischer, kultureller und sozialer Herkunft oder gar der Haut-, Haar- und Augenfarbe vorverurteilen. Oder einfacher gesagt: Für mich ist ein Mensch ein [füge beliebiges Schimpfwort ein], weil er ein [wiederhole das Schimpfwort von eben] ist. Nicht, weil er aus [füge eine beliebige Nation oder soziale Schicht ein] kommt.
Leider fühlt sich der Autor seit 2012 bemüßigt, an Henryk Broders Blog "Die Achse des Guten" mitzuwirken. Broder, der in jeder kritischen Bemerkung über Israel Antisemitismus witternd Zeter und Mordio schreiend schon den Spiegel, die Welt und andere Blätter für seine kruden Thesen missbrauchte. Die proamerikanische und antiislamische Ausrichtung seines Blogs mag nicht weiter verwundern - wohl aber ein Beitrag Pirinçcis vom 25. März 2013 mit dem Titel "Das Abschlachten der Deutschen hat bereits begonnen" Link
Die körperlichen Reaktionen auf diesen Beitrag reichen zu Beginn von einem erheiterten Schmunzeln bis zum Brechreiz, wenn der Autor Gewalt entlang sozio-gesellschaftlicher Spannungslinien zwischen den Kulturen als beginnenden Genozid beschreibt. Man lasse sich folgendes (nach der Einnahme eines Antiemetikums) auf der Zunge zergehen:
"[...] Weil es sich bei der letztmaligen Tötung eines jungen Deutschen namens Daniel S. von Türken in Kirchweyhe im Grunde um einen beispielhaft evolutionären Vorgang handelt, nämlich um den schleichenden Genozids an einer bestimmten Gruppe von jungen Männern. Dabei ist nicht einmal die Tötung selbst von Interesse, so grausam sich das auch anhören mag, sondern das “Biotop”, in dem der Genozid stattfindet. Und noch mehr dessen Folgen. Die Tat reiht sich ein in eine Serie von immer mehr und in immer kürzeren Abständen erfolgenden Bestialitäten, die zumeist von jungen Männern moslemischen Glaubens an deutschen Männern begangen werden. (Es befinden sich unter den Opfern nie Frauen. Die werden in der Regel vergewaltigt, was auch banal evolutionär zu erklären ist, aber dazu später.)"
Die Tatsache der abnehmenden Straftaten gelassen ignorierend bedient sich Pirinçci jedes negativen Klischees gegenüber muslimischen Mitbürgern. Er belässt es hierbei nicht, nein, er führt noch weiter aus:
"Das Muster ist immer gleich. Eine Gruppe oder die herbeitelefonierte Kumpelschaar umstellt das Opfer nach der Jagdstrategie von Wölfen, wobei die Delta- und Betatiere stets außen herum laufen und für das einschüchternde Jagdgeheul sorgen und das Alphatier nach und nach von der Beute Stücke abzubeißen beginnt, bis am Ende alle über sie herfallen und hinrichten. Die Zahl der solcherlei Weise ermordeten Deutschen wird von offiziellen Stellen bewußt geheimgehalten, es ist aber wohl nicht übertrieben, wenn man taxiert, daß es sich um die Opferanzahl eines veritablen Bürgerkrieges handelt."
Hoppla. Opferzahlen werden geheim gehalten. Kein Wunder, dass er die "immer kürzer werdenden Abstände zwischen den Bestialitäten" nicht weiter belegt. Wie auch, sie werden verschwiegen, aber jeder weiß davon - weiß zumindest Pirinçci auf die fehlenden Belege angesprochen. Vermutlich ein genetisches Kollektivgedächtnis der Deutschen. Es wusste auch jeder, dass die Erde eine Scheibe ist und rothaarige Frauen verbrannt werden müssen. Ungeniert zerrt und rüttelt Pirinçci an den Grundfesten unserer Gesellschaft und wittert eine Verschwörung großen Stils. Unzweifelhaft beteiligt sich sogar die Springerpresse daran, die ansonsten keine Gewalttat in allen schillernden Farben darzustellen weiß und noch nie genüsslich auf den Migrationshintergrund von Straftätern hingewiesen hat. Logisch zu Ende gedacht haben wir nach Pirinçci eine staatliche Zensur. Merkwürdig, dass die Achse des Guten noch online steht...
Dass es sich bei den Übergriffen von Migranten gegenüber Deutschen - selbstredend auch umgekehrt - um ins mediale Rampenlicht (oh, warte! Doch keine Zensur?) gezerrte Einzelfälle handelt, schließt er mit seiner Polemik jedenfalls völlig aus. Auch die Wissenschaft kommt in Pirinçcis Generalabrechnung nicht ungeschoren davon:
"Die Theorie von einfühlsamen (deutschen) Soziologen, wonach diese bestialischen Jugendlichen sich in Wahrheit als Versager und Opfer der Gesellschaft vorkämen und ihr Blutrausch ein verzweifelter Aufschrei sei, ist natürlich eine von der Migrantenindustrie, schwachsinnigen Politikern und geisteskranken linken Medienleuten bestellte Lüge, die, obwohl niemand daran glaubt, nicht einmal sie selbst, dazu dienen soll, sozusagen das öffentliche “Branding” des armen, lieben Ausländers in das Hirn der Allgemeinheit zu penetrieren. Im Gegenteil, nicht einmal ein Milliardär mit dem Aussehen eines Ryan Gosling hat so viel Selbstbewußtsein wie ein Türke oder Araber, der einem Deutschen am Bordstein das Hirn aus dem Schädel tritt."
Über den Bildungshintergrund des Autoren ist nicht sehr viel herauszufinden. Wie wissenschaftliche Methode in den Sozialwissenschaften funktioniert, davon hat er aber bewiesenermaßen keinen blassen Dunst.
Nun, spätestens jetzt sollte es niemanden weiter verwundern, dass dieser Text in den Netzwerken der Rechten verbreitet und Pirinçci als neuer Star regelrecht gefeiert wird. Wenn sogar ein Türke das über seine Landsleute sagt, dann sind wir ja über den Verdacht rassistischer und volksverhetzender Aussagen erhaben.
Jochen Grabler von Radiobremen nahm Bezug auf den Blog. Link Er zog sich damit den maximalen Unmut Pirinçcis zu, der postwendend in der Achse des Guten antwortete. Das ganze unter dem wohklingenden Titel "Mit mir nicht, Du Vollpfosten!", der offensichtlich eine Nähe zur bildungsfernen Zielgruppe des Artikels konstruieren soll. Link In bewährter Stammtischmanier wird Grabler abgewatscht. Es wird der Eindruck erweckt, dass Pirinçci aufgrund seiner ethnischen Herkunft schließlich wisse, wie der Hase läuft und Grabler
"bei all seinem Gegen-Rechts-Maulheldentum kein einziges Mal sein Radio-Bremen-Büro verlassen hat und in die von mir genannten Brennpunkte gegangen ist. Er hat leidlich ein bisschen an seinem Laptop rumgespielt, um mit Textbausteinen aus dem grünparadiesischen Schreibprogramm über solche armen, armen Mitbürger mit Migrationshintergrund wie mich herzufallen, die man auch noch auf die rechte, oh Pardon, die einzig richtige Gesinnung zu schleifen gedenkt."
Nun denn, Herr Pirinçci, ich gehe davon aus, dass auch Ihr Machwerk mittels EDV entstanden ist. Und auch wenn Sie den Eindruck erwecken, dass Sie höchstpersönlich mit jedem brennenden Müllcontainer in den sozialen Brennpunkten Deutschlands auf Du und Du sind und Sie durch extrem männlich-markige Sprüche versuchen, besonders authentisch zu wirken, erhärtet folgendes bei reflektiert und differenziert denkenden Menschen nun wirklich nicht Ihre Glaubwürdigkeit.
"Ich bin weder Eva Herman noch ein verweichlichter Deutscher, der nun den geordneten Rückzug mit allerlei Entschuldigungen antreten wird. Fickt ihr mich, ficke ich euch!"
Und auch Ihre abschließende Floskel sorgt sehr viel mehr für Erheiterung denn für Sorgenfalten auf der Stirn:
"Und nicht vergessen, im Grunde meines Herzens bin ich immer noch Türke. Also aufgepaßt!"
Ob's Ihnen schmeckt oder nicht, mit dieser Hetzschrift haben Sie sich endgültig als pseudointellektueller Demagoge aus der tiefbraunen Schublade disqualifiziert und anstatt in Dialog mit der Wissenschaft, mit der Soziologie zu kommen, werden Sie künftig höchstens ihr Untersuchungsgegenstand. In diesem Sinne, genießen Sie Ihre 15 Minuten im Rampenlicht und ziehen Sie Ihre Befriedigung aus dem Sturm der Entrüstung. Schon nächste Woche wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben.
Diejenigen, die vermeintliche Wahrheiten in Pirinçcis Schriften sehen, sollten über folgendes Motto nachdenken:
Man möge Menschen nach ihren Taten und Einstellungen bewerten und nicht aufgrund ethnischer, kultureller und sozialer Herkunft oder gar der Haut-, Haar- und Augenfarbe vorverurteilen. Oder einfacher gesagt: Für mich ist ein Mensch ein [füge beliebiges Schimpfwort ein], weil er ein [wiederhole das Schimpfwort von eben] ist. Nicht, weil er aus [füge eine beliebige Nation oder soziale Schicht ein] kommt.
Donnerstag, 4. April 2013
Wenn der Tod billiger ist - Kliniken fürchten um ihre Existenz
Derart titelte NTV am 1. April. (Link) "Wie viel darf ein Menschenleben kosten? Für viele Kliniken in Deutschland wird das mehr und mehr zur Existenzfrage." Auch wenn das Datum einen makaberen Aprilscherz vermuten lassen könnte, so beschreibt der Artikel die traurige Realität.
Ein befreundeter Arzt kommentierte den Artikel auf Facebook wie folgt:
Ein befreundeter Arzt kommentierte den Artikel auf Facebook wie folgt:
Nicht nur die großen Kliniken, auch die kleinen für die Grundversorgung sind massiv betroffen. Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, dass ein Krankenhaus wirtschaftlich sein muss? Wenn ich einem Rentner das Leben rette ist das nie wirtschaftlich. Es belastet die Krankenkassen für die Behandlung und die Rentenkassen, weil sie länger zahlen müssen. Sollen wir da jetzt auch anfangen, volkswirtschaftlich zu denken? Als Arzt - NIEMALS!! Und auch niemand anders darf das. Aber die Politik verspricht alles, die Ärzte müssen (und wollen auch) behandeln, aber es darf nichts kosten. Und Schuld sind dann an der Misere die Leistungserbringer, die Nachts arbeiten und am nächsten Morgen dann als Kostentreiber angeprangert werden. Vielen Dank. - R. Clement
Er hat in meinen Augen völlig recht. Es ist an Zynismus nicht zu überbieten, Menschenleben monetär aufzurechnen. Mit Grausen erinnert man sich an das Unwort des Jahres von 1998. Sozialverträgliches Frühableben.
Wissenschaftlich ist es hinlänglich bewiesen, dass ein Mensch im Laufe seines Lebens die meisten Kosten für die Sozialkassen nach dem Renteneintritt verursacht. Dies aber als Rechtfertigung zu nutzen, ab einem bestimmten Alter manch Behandlung nicht länger als wirtschaftlich zu betrachten ist Menschenverachtung in Reinkultur. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an Philipp Mißfelders Ausspruch, dass die Solidargemeinschaft nicht durch künstliche Hüftgelenke für über 85jährige belastet werden dürfe... Ich befürchte, dass derart gefährliche Thesen vor dem Hintergrund des demographischen Wandels weiter an Auftrieb gewinnen werden. Sei es im Bereich der Rentenzahlungen, sei es im Bereich des pflegerischen Standards in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen bis hin zu medizinischen Leistungen in Krankenhäusern.
Sicherlich ist der Anspruch der Gesellschaft auf wirtschaftlichen Umgang mit den endlichen Ressourcen der Sozialkassen gegeben. Misswirtschaft in den Kassen, in der Verwaltung und dergleichen mehr darf nicht vorkommen. Auch konnten in der Vergangenheit sicher einige Prozesse optimiert werden, um Kosten einzusparen. Aber niemals darf der Kostendruck zu Überlegungen führen, ob aus ärztlicher Sicht notwendige Behandlungen aus wirtschaftlichen Gründen durchgeführt werden können.
Das passiert nun mal wenn Ethik auf Betriebswirtschaft im Kleinen oder Volkswirtschaft im Großen trifft. Wirtschaftsethik - ein Oxymoron?
Wissenschaftlich ist es hinlänglich bewiesen, dass ein Mensch im Laufe seines Lebens die meisten Kosten für die Sozialkassen nach dem Renteneintritt verursacht. Dies aber als Rechtfertigung zu nutzen, ab einem bestimmten Alter manch Behandlung nicht länger als wirtschaftlich zu betrachten ist Menschenverachtung in Reinkultur. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an Philipp Mißfelders Ausspruch, dass die Solidargemeinschaft nicht durch künstliche Hüftgelenke für über 85jährige belastet werden dürfe... Ich befürchte, dass derart gefährliche Thesen vor dem Hintergrund des demographischen Wandels weiter an Auftrieb gewinnen werden. Sei es im Bereich der Rentenzahlungen, sei es im Bereich des pflegerischen Standards in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen bis hin zu medizinischen Leistungen in Krankenhäusern.
Sicherlich ist der Anspruch der Gesellschaft auf wirtschaftlichen Umgang mit den endlichen Ressourcen der Sozialkassen gegeben. Misswirtschaft in den Kassen, in der Verwaltung und dergleichen mehr darf nicht vorkommen. Auch konnten in der Vergangenheit sicher einige Prozesse optimiert werden, um Kosten einzusparen. Aber niemals darf der Kostendruck zu Überlegungen führen, ob aus ärztlicher Sicht notwendige Behandlungen aus wirtschaftlichen Gründen durchgeführt werden können.
Das passiert nun mal wenn Ethik auf Betriebswirtschaft im Kleinen oder Volkswirtschaft im Großen trifft. Wirtschaftsethik - ein Oxymoron?
Dienstag, 19. Februar 2013
Der Verein ist tot - es lebe der Verein!
Eine gute Ausarbeitung über das Vereinswesen in Deutschland von Hannes Jähnert.
http://hannes-jaehnert.de/wordpress/2013/02/19/der-verein-ist-tot-es-lebe-der-verein/
Allerdings wage ich dem Abgesang Annette Zimmermanns auf Vereine, den sie aufgrund des Engagementberichts anstimmt, zu widersprechen und gelange zu einer anderen Schlussfolgerung als der Autor, der seinen Schwerpunkt auf die künftige Bedeutung von netzbasierenden (Protest)Bewegungen legt.
Zweifelsohne ist folgendes Statement richtig: "Der Business Talk hat längst Einzug gehalten in die Welt der Vereine, die eigentlich keine mehr sind, sondern Initiativen, Projekte, NGOs und Sozialunternehmen, die professionell geführt, ihre Anliegen werbewirksam vermarkten und sich über Events, Kampagnen und Verkäufe von Merchandise finanzieren." Warum aber, so frage ich, muss eine zunehmende Professionalisierung automatisch negativ gesehen werden? Schlussendlich muss die Arbeit der Vereine, die vielfach (staatliche) Aufgaben im Bereich der Daseinsvorsorge, in der Wohlfahrts- und Sozialarbeit übernehmen bei einer Verknappung staatlicher Mittel gegenfinanziert werden.
Den Untergang der klassischen Vereine zu propagieren halte ich vor den gesellschaftlichen Umwälzungen, die nicht zuletzt wegen des demographischen Wandels auf uns zu kommen werden, für falsch. Im Gegenteil: Wir werden uns als Gesellschaft wieder auf gemeinschaftliche Werte besinnen müssen, wenn die Prognosen recht behalten und sich ab 2050 das Verhältnis der Menschen über 65 Jahren zu Menschen im Alter von 20 bis 64 Jahren verdoppelt haben wird. Dieses Ungleichgewicht von Einzahlern in Sozial- und Rentenkassen und Leistungsempfängern wird unabhängig von blümigen Versprechungen wie "die Renten sind sicher" zu empfindlichen Verringerungen staatlicher Leistungen und zu einer zwingenden Notwendigkeit von klassischer Vereinsarbeit führen. Wer, wenn nicht Vereine und ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger, wird in der Zukunft dafür sorgen, dass im Sozial- und Gesundheitswesen nicht alleine der Kostendruck die Qualität der Daseinsvorsorge bestimmt?
Wir alle können selbst bestimmen, wie die Zukunft unseres gesellschaftlichen Miteinanders aussieht. Für mich sind Vereine daher eine zwingende Notwendigkeit und eine logische Konsequenz.
http://hannes-jaehnert.de/wordpress/2013/02/19/der-verein-ist-tot-es-lebe-der-verein/
Allerdings wage ich dem Abgesang Annette Zimmermanns auf Vereine, den sie aufgrund des Engagementberichts anstimmt, zu widersprechen und gelange zu einer anderen Schlussfolgerung als der Autor, der seinen Schwerpunkt auf die künftige Bedeutung von netzbasierenden (Protest)Bewegungen legt.
Zweifelsohne ist folgendes Statement richtig: "Der Business Talk hat längst Einzug gehalten in die Welt der Vereine, die eigentlich keine mehr sind, sondern Initiativen, Projekte, NGOs und Sozialunternehmen, die professionell geführt, ihre Anliegen werbewirksam vermarkten und sich über Events, Kampagnen und Verkäufe von Merchandise finanzieren." Warum aber, so frage ich, muss eine zunehmende Professionalisierung automatisch negativ gesehen werden? Schlussendlich muss die Arbeit der Vereine, die vielfach (staatliche) Aufgaben im Bereich der Daseinsvorsorge, in der Wohlfahrts- und Sozialarbeit übernehmen bei einer Verknappung staatlicher Mittel gegenfinanziert werden.
Den Untergang der klassischen Vereine zu propagieren halte ich vor den gesellschaftlichen Umwälzungen, die nicht zuletzt wegen des demographischen Wandels auf uns zu kommen werden, für falsch. Im Gegenteil: Wir werden uns als Gesellschaft wieder auf gemeinschaftliche Werte besinnen müssen, wenn die Prognosen recht behalten und sich ab 2050 das Verhältnis der Menschen über 65 Jahren zu Menschen im Alter von 20 bis 64 Jahren verdoppelt haben wird. Dieses Ungleichgewicht von Einzahlern in Sozial- und Rentenkassen und Leistungsempfängern wird unabhängig von blümigen Versprechungen wie "die Renten sind sicher" zu empfindlichen Verringerungen staatlicher Leistungen und zu einer zwingenden Notwendigkeit von klassischer Vereinsarbeit führen. Wer, wenn nicht Vereine und ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger, wird in der Zukunft dafür sorgen, dass im Sozial- und Gesundheitswesen nicht alleine der Kostendruck die Qualität der Daseinsvorsorge bestimmt?
Wir alle können selbst bestimmen, wie die Zukunft unseres gesellschaftlichen Miteinanders aussieht. Für mich sind Vereine daher eine zwingende Notwendigkeit und eine logische Konsequenz.
Donnerstag, 31. Januar 2013
Dirndl-Gate
Gestern meinte ein Kollege, sich als Mann zu der Sexismus-Debatte zu äußern, käme Blinde-Kuh-spielen im Minenfeld gleich. Völlig zu Recht wirft Birgit Kelle in einer Kolumne die Frage auf, ob wir diese Debatte auch führen würden, hätte nicht Rainer Brüderle sondern George Clooney derartige Avancen gemacht. Zum Glück stellt eine Frau diese Frage, jeder Mann wäre unter dem Hashtag #Aufschrei bei Twitter virtuell kastriert, geteert, gefedert und gevierteilt worden.
Gerade die über Twitter geführte Debatte habe ich einige Zeit mitverfolgt. Hier einige Stilblüten:
Glücklicherweise haben wir den Artikel 5 des Grundgesetzes. Glücklicherweise darf ich eine Meinung zu dieser Debatte haben, auch als Mann. Der #Aufschrei bei Twitter ist ein gefährliches Konglomerat. Sexismus, sexuelle Übergriffe, Pädophilie werden in einen Topf geworfen und kräftig zu einer explosiven, gesellschaftsspaltenden Brühe verrührt. Interessanterweise handelt geschätzt gerade einmal jeder 200. Tweet tatsächlich von einem Vorfall, den eine Frau als Sexismus oder Übergriff empfunden hat. Der Rest ist schlichte Diskussion bzw. private Meinungsäußerung der User. Die tatsächlichen #Aufschrei-Tweets sind zu 99% von der Qualität der obigen Stilblüten. Ob diese nun als Lappalien zu bewerten sind oder nicht, dieses Urteil überlasse ich dem Leser.
Gerade die über Twitter geführte Debatte habe ich einige Zeit mitverfolgt. Hier einige Stilblüten:
160.000 Tweets zum Thema #Aufschrei. Ein klarer Beweis dafür, dass Sexismus ein Alltagsproblem in Deutschland ist, so die vorherrschende Meinung in Presse und Feministenbewegungen. Falsch. Ein klares Beispiel dafür, wie die sogenannte Qualitätspresse gezielt eine Debatte über das zugegebenermaßen unhöfliche Verhalten eines alternden Politikers in Zeiten des beginnenden Wahlkampfs lanciert. Ich will es nicht schön reden, sexualisierte Gewalt, Übergriffe und jedes unerwünschte Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen ist verachtenswert. Auch mag jeder Mensch die Grenze für sich selbst definieren, wo tatsächlich der Tatbestand der (verbalen) Belästigung anfängt, muss sich dann aber unter Umständen die Frage nach einer gewissen Überdramatisierung gefallen lassen.
Gestehen wir uns ein, dass die Realität, somit auch meine eigene, stets subjektiv eingefärbt ist, dennoch halte ich Sexismus in Zeiten, in denen RTL-Formate wie Bauer sucht Frau deluxe (a.k.a. Bachelor) Hochkonjunktur und 7stellige überwiegend weibliche Zuschauerzahlen haben, in denen Pro7 mit Stereotypen wie in "The beauty and the nerd" erfolgreich an den Start geht und "Germanys next Topmodel" in der gefühlt 789. Staffel aufgelegt wird, für eine scheinheilige, verlogene Debatte. In Zeiten, in denen sich Romane wie die Twighlight-Saga oder Hausfrauenpornos wie Shades of Grey in die Bestsellerlisten schieben, in denen es schlussendlich um nichts anderes geht als um das Rollenverständnis zwischen Mann und Frau und sich die Hauptprotagonistinnen nur zu gerne dem Mann und seinem Willen unterwerfen, belegt #Aufschrei lediglich, dass es erneut eine kleine Minderheit dank sozialer Medien geschafft hat, einem Thema überproportional viel Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Wieder ein Beispiel dafür, wie soziale Medien geschickt durch einige wenige Demagogen oder in diesem Fall Demagoginnen (um dem Gendermainstreaming gerecht zu werden) genutzt werden um ein Problem aufzublasen, dem empirischen Forschungen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht die Bedeutung beimessen würden, die es jetzt erhält. Von den Piraten als erfolgreiche "Internetdemonstration" gefeiert, fällt mir abschließend nur noch dieses Zitat ein:
Jeder übermäßig großen Versammlung gleichdenkender Individuen, und seien ihre Absichten auch noch so rechtschaffen, haftet ein Hauch von Lynchmob oder Lemming-Wanderung an.
P. J. O'Rourke
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