Samstag, 26. Februar 2022

Wirr in Vaihingen


Gar wunderliches war heute Morgen - mal wieder - auf der Seite „Wir in Vaihingen“ zu lesen. Wie üblich wurde der Beitrag mindestens zwölf Mal geändert, wie man im Bearbeitungsverlauf nachsehen konnte und schlussendlich, wie zu erwarten war, nach zu viel Gegenwind gelöscht.

Ich möchte dennoch kurz zu den etwas wirren Behauptungen Stellung nehmen, da es ja dann doch von so einigen Menschen gelesen wurde.
Fangen wir oben an:

1. Was ist eigentlich das Gegenteil von links-bunt - etwa rechts-braun? Aber klar, FDP und CDU sind ja für „links-bunt“ bekannt. Das einzig „bunte“, das mir bei der FDP einfällt, ist deren Einsatz für die LGBQT-Community. Und das bei weitem noch nicht umfassend genug.
2. Wie eigentlich bekannt ist, bin ich seit längerem nicht mehr Mitglied der FDP. In der Hauptsache aufgrund der meiner Ansicht nicht tragbaren Ansichten und Verhaltensweisen in Sachen Corona.
3. Es wurde keine „Kopfprämie“ ausgesetzt. Wer das so wahrnimmt, über den sagt das deutlich mehr aus als über die Menschen, die für Impfungen in der 3. Welt spenden.
4. Annkatrin Kinzinger und ich betreiben keine Facebookseite, es ist eine Gruppe - auf der in der Regel keine Beiträge und Kommentare gelöscht werden, wie es bei „Wir in Vaihingen“ durchaus üblich zu sein scheint, sobald es nicht der eigenen Meinung entspricht.
5. Ziel ist nicht zu spalten - Ziel ist es, ganz im Rahmen der grundgesetzlich verbrieften Meinungsfreiheit, einen Gegenpol zu den oftmals recht wilden Thesen zur „Coronadiktatur“ zu setzen. Wobei man in der Tat tatsächlich trefflich darüber diskutieren könnte, wer hier tatsächlich die Gesellschaft spaltet - aber erfahrungsgemäß führt das zu nichts, da die Argumente dann recht schnell abstrus werden, angefangen bei Plandemie über Pharmamafia bis hin zur NWO, QAnon und weiteren völlig abgedrehten postfaktischen Verschwörungstheorien.
6. Niemand möchte den „Querdenkern“ das Recht auf eine eigene Meinung nehmen. Aber Meinungsfreiheit ist keine Einbahnstraße. Der Art. 5 GG garantiert einem nicht, dass kein Widerspruch erfolgen darf. Meinungsfreiheit gilt auch für die Spenderinnen und Spender.
7. Apropos Grundgesetz: Lustig wird es ja, wenn Art. 8 Abs. 1 genannt wird „Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und ohne Waffen zu versammeln.“ - der Abs. 2 aber wissen- und willentlich unterm Tisch landet, der da lautet: „Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden.“
Wie auch immer: Bitte geht am Montag wieder spazieren. Je mehr Spaziergänger, desto mehr Spenden für UNICEF!


https://www.impfpatenschaft-qd.de/#vae


#sofaprotest



Freitag, 19. November 2021

FDP-Mitglied 2009-2021

Aus meiner Austrittserklärung vom 19.11.2021:

»Es ist nicht mehr meine FDP - die Folter-Scholz in den Sattel verhilft, die mit Spitzenpolitikern wie Kubicki in der Corona-Krise zumindest in meinen Augen überhaupt keine gute Figur gemacht hat und eher am rechten Rand der Leerdenker fischt, die heute den Ländern die Möglichkeit von flächendeckenden Lockdowns und Schulschließungen aus dem Instrumentarium der Krisenbekämpfung gestrichen hat, Krisenreaktionen per Verordnung verbietet und jedes Regierungshandeln in der Krise verzögert, und letzte Woche - und das brachte das Fass für mich zum Überlaufen, auch auf Kreisebene eine Veranstaltung ohne 3G-Regelung für Mitglieder macht, 3G nur für Externe (wie wenn Mitglieder grundsätzlich nicht ansteckend sein könnten…).

Man stelle sich vor, ich wäre am Freitag bei der Kreismitgliederversammlung gewesen. Sonntag habe ich mich selbst positiv getestet, nachdem ich Erkältungssymptome bekam. Es ging sehr schnell. Ich habe Montag und Dienstag extrem mit meiner Infektion gekämpft, ich hatte mich noch nie in meinem Leben so krank gefühlt. Hätten die Kliniken nicht bereits Land unter gemeldet, wäre ich sicher stationär gegangen. Sehr wahrscheinlich war ich Freitag schon infektiös. Und wenn ich das als Geimpfter noch relativ junger und eigentlich gut trainierter Mann in gutem Allgemeinzustand so heftig bekommen kann - wie hätte es in Folge des Kreisparteitags vielleicht auch den einen oder anderen deutlich lebensälteren erst erwischt? Andere Parteien verzichten auf Parteitage und ähnliches - unsere FDP im Kreis führt sie durch. Formaljuristisch war das nach geltender CoronaVO völlig okay, Gremiensitzungen, Wahlen usw. Korrekt war es in meinen Augen dennoch nicht, es sendet ein gänzlich falsches Signal und war riskant. Wir brauchen darüber auch nicht zu diskutieren, es gibt sicher für alles eine Erklärung - für mich aber war es jetzt der letzte Anstoß.

Den liberalen Werten bleibe ich verbunden - ich verstehe da nur derzeit etwas anderes darunter als die Mehrheit in der FDP. Insofern: nichts für ungut, mein Entschluss steht, das ist nicht mehr die FDP, in die ich 2009 eingetreten bin und in der ich mich lange sehr wohl gefühlt habe.«

Dienstag, 16. November 2021

Corona - jetzt hat es mich doch erwischt...


Zuallererst: Vielen lieben Dank für all die Genesungswünsche! Ihr seid klasse! 

Im Moment geht’s mir gerade halbwegs gut. Da mir aber viele einen „milden Verlauf“ wünschen, möchte ich euch mal meinen „milden Verlauf“ bis jetzt schildern. Das im Bewusstsein, dass es durchaus wirklich sehr softe Erkrankungen gibt. Übrigens, die gängige Definition von „mild“ lautet bei Medizinern „kommt nicht ins Krankenhaus“.

Ich sage es einfach mal so, wie es ist: Ich habe mich noch nie so krank gefühlt (mal vom Aufwachraum nach einer OP abgesehen). Ich lag vorhin drei Stunden schlotternd mit bis zu 39,5° mit einem Ruhepuls von über 100 bis zu 120 (normal sind bei mir 55-65) im Bett und hatte einfach nur noch Angst. Ich war kaum in der Lage, mich klar zu artikulieren. Neben einem Reizhusten, der mir regelmäßig die Schädeldecke raushämmern will, tut mir so ziemlich jede einzelne Muskelgruppe von Nacken (hattet ihr schon einmal einen Überlastungsmuskelkrampf in der Halsmuskulatur? Sehr cool…) über den Schultergürtel, Rücken bis Lende, Bauch und Gesäß weh. Bei jeder verdammten Bewegung. Für die 8m zur Toilette brauche ich 2-3 Minuten. Dabei werde ich kurzatmig und brauche an jeder Ecke eine kurze Pause. Zwischenzeitlich hatte ich dauerhaft Sättigungswerte von 89-94%, Tendenz insgesamt fallend. Immer wieder habe ich verengte Atemwege und beginnende Atemnot. Kein sehr angenehmes Gefühl. Geschmacks- und Geruchssinn haben sich fast zu 100% verabschiedet. Ich schmecke noch sauer (am liebsten trinke ich im Moment heiße Zitrone), alles andere vom Kaffee über Cola, Red Bull, Wasser usw. schmeckt von der Temperatur abgesehen ziemlich gleich. Beim Essen schmecke ich noch mit gefühlten 0,2% der Geschmacksknospen etwas süß heraus. Welch Ironie, Appetit hatte ich bis heute Mittag nämlich durchaus noch. Aber der ist auch weg. Kurz: Vermutlich könnte ich problemlos eine Dose Surströmming essen. Die Augen brennen und schlafen ist kaum möglich, obwohl ich unendlich müde bin.

Mein Hausarzt riet mir, eine Hospitalisierung nach Möglichkeit zu vermeiden. Mittlerweile ist meine Altersgruppe von Mitte 40 bis 60 ein durchaus viel gesehener Gast und die Kapazitäten sind ziemlich dicht. Wenn sich das Ganze aber weiter verschlimmert, dann werde ich vermutlich nicht drumherum kommen.

Der Medikamentencocktail hier für zu Hause ist jetzt Budosenid, Salbutamol, Codein, Novalgin und Oxazepam. Inhalieren mit NaCl und einfach den Hintern im Bett lassen. Wenn die Atemnot aber stärker wird: Rettungsdienst rufen.

Boostern auf die harte Art. Und ohne meine Frau Nicole, die sich wirklich aufopferungsvoll mit FFP2 um mich kümmert und mich regelmäßig wieder aufbaut, wäre ich verloren. Ich habe sie gebeten, zu Hause zu bleiben - es ist mir völlig unmöglich, auf die Kids aufzupassen, die natürlich auch in Quarantäne sind. Mich selbst zu versorgen wäre phasenweise auch sehr schwer. Sie selbst darf raus, da sie geimpft ist. Die Kinder sind noch zu jung. Natürlich wird regelmäßig getestet - und ich hoffe inständig, dass der Rest der Family gesund bleibt. Vielen Dank, mein Schatz!

Ich war übrigens auch geimpft. Am 10.12. hätte ich mich boostern lassen können. Ich vermute, dass ich bei der Schwere dieses „milden Verlaufs“ nicht mehr viele Antikörper hatte. Angesteckt? Wer mich kennt, weiß, dass ich eher zur vorsichtigen Gattung Mensch gehöre. FFP2 habe ich immer dabei. In meinem Bekannten- und Kollegenkreis, Menschen, mit denen ich regelmäßig Kontakt habe, ist meinem Wissen nach niemand ungeimpft. Die Ansteckung erfolgte vermutlich in der Straßenbahn. Die ist in Karlsruhe oftmals ein Synonym für Sardinenbüchse. Ich habe mich trotz Impfung regelmäßig getestet. Zu Recht. Vergangenen Freitag war der Test übrigens noch negativ, das Drama nahm am Sonntag Lauf auf.

Es ärgert mich: Wir haben uns an die Regeln gehalten. Wir haben Kontakte reduziert. Wir haben uns geimpft, sobald es möglich war. Wir haben 3G praktiziert, haben Masken getragen usw. Ich hätte mir gewünscht, dass das Karma mir einen asymptomatischen oder zumindest nur den kleinen Schnupfen präsentiert, der von Impfgegnern immer angeführt wird. Karma, I am really pissed!

Was zeigt mir das Ganze, auch vor dem Hintergrund der aktuellen Inzidenzen? 3G reicht nicht aus. 2G plus - Geimpfte müssen sich wie Genesene auch regelmäßig testen, denn auch wenn die Wahrscheinlichkeit nach den vorliegenden Daten eher gering ist - sie können infektiös sein. Einmal im Monat auch mit Antikörpertest und ab einem gefährlichen Schwellenwert boostern ermöglichen. Wenn das nicht funktioniert, schauen wir neidvoll in Länder mit Impfquoten >85% - dort ist die Pandemie zumindest derzeit faktisch vorbei.

Übrigens: alles oben genannte hat sich innerhalb weniger Stunden entwickelt. Sonntagmorgen ging es mir noch gut. Erst mittags habe ich einen leichten Schnupfen verspürt. Und dann ging es rasant.

Ist das Bild zu diesem Beitrag provokant? Ja. Es symbolisiert für mich aber, dass all die Argumente gegen Impfungen in meinen Augen die selbe wissenschaftliche Qualität haben wie Homöopathie, Bachblüten und altgermanische Medizin. Und nein, ich bin nicht der Ansicht, dass eine Impfpflicht gegen die Verfassung verstößt. Jeder darf diese Meinung haben, keine Frage. Er muss aber ebenso wie ich für meine Meinung mit Gegenwind rechnen. Meinungsfreiheit ist keine Einbahnstraße.

Die kognitiven Fähigkeiten lassen nach, merke ich. Für diesen Text habe ich jetzt Stunden gebraucht. Tippfehler bitte ich nachzusehen.

Bleibt gesund: und #allesindenArm

Sonntag, 15. August 2021

Afghanische Tragödie

Als Einsatzveteran der Bundeswehr, wenn auch nicht in Afghanistan sondern in Bosnien und dem Kosovo, kann ich den nachfolgenden Passagen aus einem Kommentar von Ulrich Ammon nur zustimmen. 


»Afghanische Tragödie.
Beschämend für Deutschland

In diesen Stunden, in denen die Taliban-Milizen Marsar-i-Sharif (460.000 Ew) eingenommen haben und weiter schnell vorstoßen, offenbart sich die ganze sicherheitspolitische Inkompetenz und Feigheit unserer Regierung und der Parlamentsmehrheit. Als ich gerade erfuhr, dass Marsar-i-Sharif in die Hände der Taliban gefallen ist, schossen mir die 59 toten Bundeswehrkameraden, viele hundert körperlich und seelisch Geschädigte, aber auch die tausende, bald Millionen von hilflosen Afghanen, vor allem Frauen durch Kopf. Und von den ehemaligen Bundeswehrhelfer:innen sind auch noch bei weitem nicht alle in Sicherheit. Menschlichkeit, Mut, rechtzeitige Planung einer Exit-Strategie - Fehlanzeige!
(…) Die Pfarrerstochter aus Meck-Pom und der SPD-"Friedensforscher"-Fraktionsvorsitzende Mützenich machen (Un-)Sicherheitspolitik, obwohl sie das beide offensichtlich nicht können. Und Ministerinnen ohne Vorkenntnisse sind für die Bundeswehr zuständig, wobei die jetzige ja noch sehr bemüht ist. Der Innenminister Seehofer blockierte vor Wochen eine unbürokratische schnelle Aufnahme von afghanischen Helfer:innen. Menschlichkeit war offenbar keine Leitgröße. Und nun kommt es  wahrscheinlich zu dem notwendigen, aber  irrwitzigen Einsatz, mit Militär kurfristig nach Afghanistan zurück zu müssen, um Menschen rauszuholen, die man ohne zusätzliches Risiko vor ein paar Wochen hätte mitnehmen können und müssen. Und was jetzt aus Millionen Afghanen wird, allen Gebildeten, allen Frauen und Mädchen, mußte man da jetzt Hals über Kopf ohne Exit-Konzept abziehen, weil wir als Zivilgesellschaft zu feige und für eine angemessene Ausstattung der Bundeswehr zu geizig sind? Europa hätte mit gutem Willen mehr leisten können und müssen. Es ist eine Schande, was wir uns da leisten. (…) Ich drücke allen, die für die Evakuierungsaktion nochmal hinmüssen, und allen afghanischen Helfer:innen die Daumen, dass sie alle heil hier ankommen. Sie sollen uns alle willkommen sein.«

Ergänzend: Es sind sicher weit mehr als nur hunderte Versehrte, die Anzahl derer mit PTBS bei den weit über 400.000 Einsatzveteraninnen und -veteranen über alle Auslandseinsätze der Bundeswehr dürfte - auch wenn es nach wie vor keine Statistik gibt - deutlich höher sein. Einer der Gründe, warum ich den Bund Deutscher EinsatzVeteranen e.V. unterstütze. 

Bei den Kameradinnen und Kameraden, die an ISAF teilgenommen haben, stellt sich nun erst recht die Sinnfrage. Auch wenn man philosophisch argumentieren mag, dass wenigstens die letzten 20 Jahre Jungen und Mädchen in relativem Frieden aufwuchsen, Bildung erhielten, Infrastrukturprojekte durch uns verwirklicht wurden: Die Tatsache, dass die Talibs das Land ohne nennenswerte Gegenwehr zurückerobern konnten, hinterlässt die Frage, warum man Milliarden von Devisen ins Land, in die Ausbildung der regulären Truppen und in Ausrüstung, die nun dem Steinzeitislamismus in die Hände fällt, gesteckt hat. Wie habe ich vorhin so treffend gelesen? Das Experiment der Verteidigung unserer Demokratie am Hindukusch ist mit dem Abzug der internationalen Truppen grandios gescheitert. Meiner Ansicht nach war der Einsatz bzw. die Einsätze richtig, der konzeptionslose Abzug war es nicht und stellt alles in Frage. 

Ein Trauerspiel. 
Eine Schande.

Sonntag, 18. Juli 2021

Die Flut und das politische Kapital

Ich bin genervt. Genervt von all den unterschiedlichen Strömungen, die jetzt versuchen, aus dieser Naturkatastrophe (politisches) Kapital zu schlagen. 

Auf der einen Seite wird natürlich - wie sollte es auch anders sein - grüne Politik als das Allheilmittel gegen den Klimawandel hingestellt. Wären die Grünen an der Macht, so die mehr oder weniger unterschwellige Botschaft, würden wir solche Bilder nicht sehen. FFF mit Luisa Neubauer „streiken“ wieder in 40 Städten und Gemeinden „aus Solidarität mit all denen, die so viel verloren haben“. Mal ganz davon abgesehen, dass per Definition nur „streiken“ kann, wer einer Tätigkeit nachgeht, wäre den Opfern in den Katastrophengebieten sicher durch Spenden u.ä. mehr geholfen, als durch demonstrierende… pardon, streikende Klimaaktivistinnen. 

Dann natürlich die unsägliche Debatte, ob nun der Klimawandel oder das Wetter für die Katastrophe verantwortlich ist. Ist es so schwer zu verstehen, dass die Ursachen natürlich in Bebauung von potenziell überflutungsgefärdeten Flächen, Eingriffen in die Natur, vor allem aber in einem Starkregenereignis liegen, wie es sie auch in der Vergangenheit immer wieder mal gab - dass die Häufung dieser extremen Wetterereignisse aber dem Klima geschuldet sind? Da hilft das „Aber 1343 gab es ein viel höheres Hochwasser-Mimimi“ nicht weiter, sofern man das Argumentationsniveau des Kindergartens verlassen hat. Aber machen wir uns nichts vor: Deutschlands Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen liegt bei 2%. Selbst wenn wir diese in den letzten Jahren auf 1,9% gesenkt hätten, hätte das auf das Weltklima nicht wirklich Auswirkungen gehabt. Das Weltklima wird nicht in Deutschland gerettet, die Hybris mancher verschlägt mir da schon den Atem. Und es ist ja bei weitem nicht so, dass sich die letzten Jahrzehnte nicht sehr viel zum positiven verändert hätte. Ich jedenfalls kann mich noch sehr gut an qualmende und rußende Schlote an Fabriken und schwarze Schwaden aus den Auspuffanlagen der Autos meiner Kindheit in den 80ern erinnern. Die haben wir ja nun wirklich nicht mehr. 

Auf der anderen Seite wird in AfD‘esker Manier ein Bild von geländegängigen Bundeswehr-Krankentransportwagen in tiefem Wasser mit der Fragestellung geteilt, wie man in Katastrophen mit Elektrofahrzeugen handlungsfähig bleiben könnte. Hier wird einfach durch Behauptung ein nichtexistentes Problem herbeigeredet. Unabhängig davon, wie man zur eMobilität steht, so ist doch völlig klar, dass Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben und das Militär sicher auch noch mittelfristig mit Verbrennern arbeiten werden. Es wird auch nach 2035 sicher noch Ausnahmen bei der Zulassung von Verbrennern geben - und die BOS werden mit dem Gros der Einsatzfahrzeuge sicher zu diesen Ausnahmen gehören, da Kraftstoff (evtl. bis dahin Biokraftstoffe, eFuels o.ä.) nunmal leichter und effizienter in infrastrukturgeschädigte Gebiete transportiert werden kann als Strom für tausende von Fahrzeugen - zumindest nach dem heutigen Stand der Technik. Aber wie gesagt, das plumpe Grünenbashing mit diesem Sharepic ist anlasslos und nicht sonderlich clever. 

Zum Thema „politisches Ausschlachten“ und Gewichtung politischer Themen habe ich eine durchaus bissige Satire von Kurt Brand gelesen:

»»» 
Finden Sie es auch so unerträglich, dass die alten, weißen Männer aus dem toxisch-fossilen Patriarchat sich auf solchen Fotos immer in den Vordergrund drängeln müssen? Sind Frauen, Ausländer und LGBTQIA in der Feuerwehr und beim Technischen Hilfswerk überhaupt angemessen repräsentiert? Oder brauchen wir Quoten? Sind Fälle von Rettungs-Rassismus aufgetreten bzw. werden diese überhaupt systematisch erfasst? Müsste der Fuhrpark dieser Hilfsorganisationen nicht dringend auf Elektroantriebe umgestellt werden, um eine Belastung von Rettern und Opfern durch Feinstaub- und CO2-Emissionen zu vermeiden? Wo ist eigentlich die Deutsche Umwelthilfe, wenn mal sie mal braucht? 

Arbeiten die Rettungsteams auch agil und sinnstiftend gemäß den New Work-Visionen des Sozialphilosophen Frithjof Bergmann? Könnte man einen Teil der Rettungsarbeiten nicht vom Home Office aus erledigen? Was ist mit dem Gender Pay Gap? Sind Retter und Opfer alle zweifach geimpft und hätte eine DSGVO-konforme Flutwellen-Warn-App nicht das Schlimmste verhindern können oder sogar müssen? Sollten die Rettungsmaßnahmen nicht durch die EU-Kommission koordiniert werden, um nationale Alleingänge zu verhindern? Wären die Rettungsaktionen mit Hilfe von Flugtaxis nicht viel effizienter durchzuführen? Werden die Opfer und Retter vegan, gesund und klimaschonend ernährt? Und könnte man in der Berichterstattung über solche Rückfälle in das "old thinking" nicht wenigstens gendern, um das Ganze aus Sicht der Woke-Community erträglicher zu machen? 

<Sarkasmus aus>

P.S: Zahlreiche anerkannte Organisationen haben Spendenkonten für die Opfer des Hochwassers eingerichtet. Eine Auswahl finden Sie hier: https://lnkd.in/d8hXskr .

#RealWorldProblems #FirstWorldProblems

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Quelle: https://www.linkedin.com/posts/kurtbrand_realworldproblems-firstworldproblems-activity-6822387154388307968-gQf7

Kurt Brand wird vorgeworfen, dass er als alter, weißer Mann unter dem Deckmantel des Sarkasmus diese Tragödie nutzen würde, um mal so richtig mit allem aufzuräumen, was ihm an gesellschaftlichen Aktivitäten für Minderheiten und zum Abwenden der Klimakatastrophe nicht passt. Ich persönlich weiß nicht, ob das stimmt - ich für meinen Teil sehe, ohne ihm in jedem Punkt zuzustimmen, hier vor allem eine pointierte Kritik gegenüber all denjenigen, die versuchen, diese Katastrophe zu instrumentalisieren, gleich in welcher Richtung und den Versuch, den Fokus auf das derzeitig Wesentliche zu richten. 

Können wir also derzeit einfach mal alle Nebenkriegsschauplätze hintenan stellen, die Spitzenpolitiker bitte ihre Gummistiefel im Schrank sowie ihre Hintern in ihren Ministerien und den Wahlkampf ruhen lassen und uns aufs Helfen konzentrieren?

Danke.