Freitag, 27. März 2026

Digitale Souveränität

Der Deutscher Feuerwehrverband hat mit seinem heute veröffentlichten Positionspapier zur Zukunft des Bevölkerungsschutzes im Kontext der zivilen Verteidigung einen weiteren wichtigen Impuls gesetzt. Das Papier geht intensiv auf die veränderte geo- und sicherheitspolitische Lage ein und nimmt dabei auch auf Erkenntnisse aus dem Krieg in der Ukraine Bezug.

Im Mittelpunkt stehen konkrete Fähigkeitsbedarfe im Bevölkerungsschutz. Genannt werden unter anderem Technik, Fahrzeuge, Ausrüstung, geschützte Infrastruktur, Logistik, Löschwasserförderung, CBRN-Schutz, Mobilität bei zerstörter Infrastruktur sowie autarke Einsatz- und Betriebsfähigkeit. Damit macht das Papier deutlich, dass zivile Verteidigung nicht nur eine Frage von Konzepten ist, sondern auch von materieller Ausstattung und belastbaren Strukturen.
Themen, die mich bekanntlich seit langem umtreiben, mit denen man bei mir offene Türen einrennt, sind die weiteren Schwerpunkte Digitalisierung, Führung, Lagebild und redundante Sprach- und Datenkommunikationsnetze. Wer Informationen in komplexen Lagen nicht schnell zusammenführen, bewerten und interorganisational verfügbar machen kann, verliert Handlungsfähigkeit.

Aus meiner Sicht bleibt dabei jedoch ein wesentlicher, ganz entscheidender Punkt unberücksichtigt: digitale Souveränität.

Es reicht nicht aus, Digitalisierung zu fordern, wenn zugleich neue kritische Abhängigkeiten entstehen. Ein digitalisierter Bevölkerungsschutz, der bei zentralen Funktionen auf ausländische Software, extern gehostete Cloud-Dienste oder von Dritten kontrollierte Plattformen angewiesen ist, schafft zusätzliche Verwundbarkeiten. Das betrifft nicht nur große Fachverfahren, sondern auch grundlegende Komponenten wie Geodaten, Kartenbasen, Identitätsdienste, Schnittstellen, Push-Dienste oder Kommunikationslösungen.

Gerade im Kontext der zivilen Verteidigung ist digitale Souveränität keine technische Nebenfrage, sondern eine Frage der Resilienz und Sicherheit. Digitale Systeme im Bevölkerungsschutz müssen nicht nur leistungsfähig, sondern auch kontrollierbar, robust und möglichst unabhängig von externen Einflussfaktoren sein.

Positionspapier des Deutschen Feuerwehrverbands: https://www.feuerwehrverband.de/app/uploads/2026/03/POSITI3.pdf 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen